Zwischen dem Tyrrhenischen Meer, dem Zentralapennin und den Nachbarregionen Apulien und Basilikata liegt die bevölkerungsreichste Region Süditaliens. Kampanien erstreckt sich über 13.676 Quadratkilometer, zählt rund 5,57 Millionen Einwohner und bündelt auf engem Raum fünf UNESCO-Welterbestätten, zwei Golfe, drei bewohnte Vulkangebiete und eine der dichtesten Kulturlandschaften Italiens. An den Golfen von Neapel und Salerno liegen die am besten erhaltenen antiken Städte Europas, einige der frühesten griechischen Siedlungen Italiens und mit den Campi Flegrei ein lebender Supervulkan.
Fünf Provinzen, 550 Gemeinden
Die Region umfasst die Metropolitanstadt Neapel und vier weitere Provinzen: Caserta im Norden, Benevento und Avellino im Landesinneren und Salerno im Süden. Zusammen zählt Kampanien laut ISTAT-Daten bei Tuttitalia 550 Gemeinden und ist mit über 400 Einwohnern pro Quadratkilometer eine der am dichtesten besiedelten Regionen Italiens. Hauptstadt ist Neapel mit rund 905.000 Einwohnern. Die Topografie reicht vom Zentralapennin über die vulkanisch geprägten Küstenebenen bis zu den Kalkmassiven der Monti Lattari an der Amalfiküste und den Cilento-Bergen im Süden.
Neapel: Metropole am Golf
Neapel reicht vom Vomero-Hügel über Castel dell'Ovo und das historische Zentrum bis zu den Hafenanlagen am Molo Beverello. Das centro storico steht auf der UNESCO-Welterbeliste und beherbergt mit dem Duomo, Castel Nuovo, dem Palazzo Reale und dem Teatro San Carlo einige der bedeutendsten Bauwerke Süditaliens. Durch die Altstadt zieht sich die kerzengerade Gasse Spaccanapoli, die den historischen Kern in zwei Hälften teilt und an der Via San Gregorio Armeno vorbeiführt, bekannt für ihre Krippenwerkstätten. Unterhalb der Stadt verläuft mit Napoli Sotterranea ein ausgedehntes Netz aus griechischen Zisternen, römischen Aquädukten und frühneuzeitlichen Tunneln. Entlang des Golfs führt die Lungomare mit Blick auf den Vesuv. Die neapolitanische Pizza ist seit 2017 immaterielles UNESCO-Kulturerbe. Von den Molen am Hafen verkehren Fähren und Tragflächenboote nach Capri, Ischia, Procida, zu den Äolischen Inseln und bis Palermo.

Blick aus der Froschperspektive auf eine der antiken Pflasterstraßen von Pompeji, einem der meistbesuchten Freilichtmuseen Kampaniens. Die Fahrbahn aus großen Basaltsteinen zeigt bis heute die eingeschliffenen Spuren der römischen Wagenräder.
Vesuv, Pompeji und Herculaneum
Rund zwölf Kilometer östlich von Neapel erhebt sich der Vesuv, der einzige noch aktive Vulkan auf dem italienischen Festland. Sein Ausbruch im Jahr 79 nach Christus, dokumentiert vom römischen Autor Plinius dem Jüngeren in zwei Briefen an Tacitus, verschüttete die römische Stadt Pompeji unter mehreren Metern Asche und begrub Herculaneum unter einem pyroklastischen Strom. Beide Stätten sind seit 1997 gemeinsam mit Torre Annunziata als serielle Welterbestätte Nummer 829 geschützt. Pompeji zählt zu den meistbesuchten Freilichtmuseen Italiens, Herculaneum zeigt dank der Konservierung durch die vulkanischen Ablagerungen sogar hölzerne Türrahmen, Mobiliar und in der Villa dei Papiri eine Bibliothek karbonisierter Papyrusrollen. Der Vesuv ist seit 1995 Teil des gleichnamigen Nationalparks mit 13 Gemeinden an seinen Hängen. In der angrenzenden Ebene liegt die antike Stadt Acerra.
Campi Flegrei: Pozzuoli, Baiae, Cumae
Westlich von Neapel liegt mit den Phlegräischen Feldern ein ganz anderer Vulkanraum: eine etwa 150 Quadratkilometer große Caldera mit mehreren Kratern, Fumarolen und Thermalquellen. Das Phänomen des Bradysismus, das langsame Heben und Senken des Bodens, ist hier seit der Antike dokumentiert. Pozzuoli, antik Puteoli, war der wichtigste Handelshafen des Römischen Reichs vor dem Bau von Ostia. Das Macellum mit seinen Marmorsäulen zeigt bis heute die Spuren von Jahrtausenden steigender und sinkender Meereshöhen.
Von Pozzuoli aus verkehren Fähren nach Ischia und Procida. In Baiae liegen die römischen Kaiserthermen und eine teils versunkene Villenlandschaft, erreichbar als Unterwasserpark. In der Nähe liegt der Lago d'Averno, bei den Römern Eingang zur Unterwelt. Cumae, 740 vor Christus gegründet, gilt als die älteste griechische Kolonie auf italienischem Festland und Heimat der Sibylle. Am westlichen Rand erhebt sich der Monte Nuovo, der 1538 bei einem Ausbruch binnen weniger Tage aus dem Boden wuchs. Nordöstlich davon dampft die Solfatara, ein aktiver Krater.

Von den Thermen von Baiae reicht der Blick über den Golf nach Pozzuoli, antik Puteoli. Der Küstenstreifen gehört zu den Campi Flegrei, dem westlichen Vulkanraum Kampaniens mit versunkenen Villen, aktiven Fumarolen und dokumentiertem Bradysismus seit der Antike.
Caserta, Benevento, Avellino
Das Landesinnere jenseits der Vulkanzone wird von drei Provinzhauptstädten geprägt. In Caserta steht die Reggia di Caserta, eine barocke Residenzanlage, die König Karl III. ab 1752 nach Plänen von Luigi Vanvitelli errichten ließ. Mit 1.200 Räumen und einem drei Kilometer langen Park gilt sie als eine der ausgedehntesten Palastanlagen Europas und steht auf der UNESCO-Welterbeliste. Zum Komplex gehören die Seidenmanufaktur und Modellsiedlung San Leucio, in der Ferdinand IV. im späten 18. Jahrhundert eine utopische Arbeiterordnung einführte, sowie der Acquedotto Carolino, ein 38 Kilometer langer Aquädukt, der die Anlage bis heute versorgt.
Nördlich davon liegt Casertavecchia, die mittelalterliche Vorgängerstadt auf 400 Metern Höhe. In der kampanischen Ebene südwestlich davon steht das römische Amphitheater Campano, eines der größten erhaltenen Italiens. Benevento im Osten ist eine der ältesten Städte der Region, bekannt für den Trajansbogen aus dem 2. Jahrhundert, die Festung Rocca dei Rettori und den Likör Strega. Avellino, Zentrum der Irpinia, ist das Herz des kampanischen Weinbaus. Oberhalb der Stadt thront die Wallfahrtskirche Santuario di Montevergine auf 1.270 Metern über dem Meer.
Amalfiküste, Sorrent, Capri und Ischia
Südlich der Halbinsel Sorrento verläuft die Amalfiküste über rund 40 Kilometer am Golf von Salerno. Die Steilküste mit Positano, Furore, Amalfi, Atrani, Minori, Maiori, Cetara und Vietri sul Mare ist seit 1997 UNESCO-Welterbe. Die Strada Statale 163 Amalfitana verbindet die Orte entlang der Hänge. Zwischen Agerola und Positano führt der Sentiero degli Dei über die Höhenlagen. Ravello oberhalb der Küste beherbergt mit Villa Rufolo und Villa Cimbrone zwei terrassierte Gartenanlagen mit Blick aufs Meer; die Villa Rufolo inspirierte Richard Wagner 1880 zum Klingsor-Garten in seinem Parsifal. Am südwestlichen Ende der Halbinsel liegt das Meeresschutzgebiet Punta Campanella. Nördlich schließt sich der Golf von Neapel mit seinen drei bewohnten Inseln an: Capri mit der Blauen Grotte und den Faraglioni, Ischia als größte Insel im Golf mit Thermalquellen, Vulkanrelief und sechs Gemeinden, und Procida, 2022 italienische Kulturhauptstadt. Fähren fahren von Neapel und Pozzuoli ganzjährig, saisonal auch von Sorrent, Salerno und Amalfi. Den Süden der Region bedient der Flughafen Salerno-Costa d'Amalfi.

Svitlana vor dem vertikalen Dorf Positano, einem der bekanntesten Orte an der Amalfiküste in Kampanien. Die Steilküste südlich der Halbinsel Sorrento gehört seit 1997 zum UNESCO-Welterbe.
Küche, Wein und Cilento
Die kampanische Küche hat weltbekannte Spezialitäten hervorgebracht. Pizza, Mozzarella di Bufala Campana DOP aus den Büffelherden der Ebenen von Caserta und Salerno, Sfogliatella aus Neapel, der mit Rum getränkte Babà, die Pastiera napoletana zur Osterzeit, Pasta alla Genovese mit stundenlang geschmorten Zwiebeln, Gnocchi alla Sorrentina, die Colatura di Alici aus Cetara und die Sorrentiner Zitronen IGP für den Limoncello sind die bekanntesten Vertreter. Beim Wein stehen die DOCG-Weine der Irpinia im Zentrum: Taurasi aus der Aglianico-Traube, Fiano di Avellino und Greco di Tufo.
Dazu kommen die Weine der Campi Flegrei und der Küste mit der weißen Falanghina und dem roten Piedirosso. Im Süden der Region liegt der Nationalpark Cilento, Vallo di Diano e Alburni, seit 1998 gemeinsam mit der Certosa di Padula, der Ruinenstadt Velia und den drei dorischen Tempeln von Paestum aus dem 6. und 5. Jahrhundert vor Christus UNESCO-Welterbe. Die Tempel sind Hera, Athena und wahrscheinlich Poseidon geweiht. Beste Reisezeit sind die Monate April bis Juni und September bis Oktober. Die Anreise erfolgt aus Rom auf der Autobahn A1 bis Neapel, aus Bari auf der A16, mit dem Zug über die Hochgeschwindigkeitsstrecke Rom-Neapel-Salerno und per Flugzeug über den Flughafen Neapel-Capodichino.




