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Apulien: Trulli, Barock und zwei Meere am Stiefelabsatz

Redaktion
Weiße Häuser kleben an steilen Klippen über türkisfarbenem Wasser: Die Altstadt von Polignano a Mare an der Adria ist zu einem der meistfotografierten Motive Apuliens geworden. Das Städtchen in der Provinz Bari gilt als Inbegriff der apulischen Küste.

Weiße Häuser kleben an steilen Klippen über türkisfarbenem Wasser: Die Altstadt von Polignano a Mare an der Adria ist zu einem der meistfotografierten Motive Apuliens geworden. Das Städtchen in der Provinz Bari gilt als Inbegriff der apulischen Küste.


(Foto: © pkazmierczak - adobe.stock.com)
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Apulien bildet den Absatz von Italiens Stiefel und ist mit über 19.000 Quadratkilometern Fläche die siebtgrößte Region des Landes. Im Osten liegt die Adria, im Süden und Westen das Ionische Meer, dazwischen die flachste Region Italiens mit nur 1,4 Prozent Gebirge. Der höchste Punkt, der Monte Cornacchia in den Daunischen Bergen, kommt nur auf 1.152 Meter.

Mit mehr als 800 Kilometern besitzt Apulien die längste Küstenlinie des italienischen Festlands. Dazu kommen drei UNESCO-Welterbestätten, zwei Nationalparks und eine Kulinarik, die weit über die Grenzen Italiens hinaus Fans gefunden hat. Was Apulien jedoch von vielen anderen italienischen Regionen unterscheidet: Die Landschaft ist ruhig und weit, bekannte Küstenorte wechseln sich mit abgelegenen Olivenhainen und kleinen Hinterlanddörfern ab.

Sechs Provinzen und vier Landschaften

Apulien ist in sechs Provinzen gegliedert: Bari als Regionalhauptstadt an der Adria, Barletta-Andria-Trani (BAT) nördlich davon ebenfalls an der Adria, Foggia ganz im Norden mit dem Gargano, Brindisi an der südlichen Adria, Taranto am Golf von Tarent und Lecce ganz im Süden auf der Salento-Halbinsel. Grenzregionen sind Molise im Nordwesten, Kampanien im Westen und Basilikata im Westen und Süden.

Geografisch zerfällt die Region in vier klar abgegrenzte Zonen. Im Norden liegt der Gargano, der felsige Sporn des italienischen Stiefels, der weit in die Adria hinausragt. Südlich davon erstreckt sich der Tavoliere delle Puglie, eine große Ebene und eines der wichtigsten landwirtschaftlichen Anbaugebiete Italiens. In der Mitte folgen die Murge, eine Hochebene aus Kalkstein mit den charakteristischen Trockenmauern. Ganz im Süden schließlich zieht sich die Salento-Halbinsel bis zur südlichsten Spitze Apuliens, Santa Maria di Leuca, wo laut volkstümlicher Vorstellung Adria und Ionisches Meer ineinander übergehen.

Zwei Meere, über 800 Kilometer Küste

Apulien grenzt im Osten an die Adria und im Süden sowie Südwesten an das Ionische Meer. Die beiden Küstenabschnitte haben jeweils ihren eigenen Charakter. Die Adriaseite ist im Norden rund um den Gargano felsig und steil, weiter südlich zwischen Monopoli, Polignano a Mare und Ostuni wechseln sich kleine Buchten mit flachen Sandabschnitten ab. Die ionische Küste im Salento besteht überwiegend aus feinem Sand und flachem, türkisfarbenem Wasser, das in einigen Reiseportalen gelegentlich mit der Karibik verglichen wird.

Das Castel del Monte wurde im 13. Jahrhundert von Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen errichtet und zählt seit 1996 zum UNESCO-Welterbe. Die oktagonale Festung steht auf einer Hügelkuppe in den Murge, nicht weit von Andria.

Das Castel del Monte wurde im 13. Jahrhundert von Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen errichtet und zählt seit 1996 zum UNESCO-Welterbe. Die oktagonale Festung steht auf einer Hügelkuppe in den Murge, nicht weit von Andria.

(Foto: © Glavo - Pixabay)

Zu den bekanntesten Küstenorten zählen Vieste und Peschici auf dem Gargano, Polignano a Mare mit seinen Häusern direkt über dem Meer, Monopoli mit seinem historischen Hafen und Ostuni, die weiß getünchte Stadt sieben Kilometer landeinwärts. Im Salento prägen Gallipoli, Otranto und das südlichste Santa Maria di Leuca die Küstenszene.

Alberobello und die Trulli

Das wohl bekannteste Wahrzeichen Apuliens sind die Trulli, weiß getünchte Steinhäuschen mit kegelförmigen Dächern aus übereinandergelegten Kalksteinplatten, gebaut ohne Mörtel. Das Städtchen Alberobello in der Valle d'Itria beherbergt rund 1.400 bis 1.500 dieser Trulli besonders dicht beieinander, konzentriert in den Stadtteilen Rione Monti und Aja Piccola. Das Ensemble wurde 1996 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

Die Bauweise reicht weit vor die Gründung Alberobellos zurück und findet sich verstreut in der ganzen Valle d'Itria, von Locorotondo bis Martina Franca und Cisternino. Die Trockenbau-Technik, die den Trulli und den Trockenmauern der Murge zugrunde liegt, zählt seit 2018 zum Immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Castel del Monte und Friedrich II.

Nicht weit von Andria, auf einer Hügelkuppe in den nördlichen Murge, steht das Castel del Monte. Die oktagonale Festung ließ Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen im 13. Jahrhundert errichten. Das Gebäude mit seinem exakten geometrischen Grundriss, acht Türmen und acht Räumen pro Stockwerk fasziniert bis heute Architekturhistoriker und Besucher. Die genaue Funktion des Baus ist bis heute nicht endgültig geklärt, möglich sind Jagdschloss, Krönungsort oder astronomische Beobachtungsstation.

Castel del Monte wurde 1996 als UNESCO-Welterbe anerkannt. Die oktagonale Form macht die Festung so unverwechselbar, dass sie auf der italienischen Ein-Cent-Münze abgebildet ist. Verwaltet wird der Bau heute von der Direzione Regionale Musei Puglia des Kulturministeriums.

Lecce und der Barocco Leccese

Lecce im Herzen des Salento trägt den Beinamen Florenz des Südens. Grund dafür ist der Barocco Leccese, ein eigenständiger Barockstil, der sich zwischen dem späten 16. und der Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelte. Der weiche, helle Kalkstein der Region, die sogenannte Pietra Leccese, lässt sich außergewöhnlich fein bearbeiten und ermöglichte die opulenten Fassadenverzierungen, die die Altstadt prägen.

Vor dem Barock war Lecce bereits römisch: Das Teatro Romano im historischen Zentrum zeugt von der Bedeutung der Stadt in der Antike. Entdeckt wurde es erst im 20. Jahrhundert mitten zwischen den Palazzi der Altstadt.

Vor dem Barock war Lecce bereits römisch: Das Teatro Romano im historischen Zentrum zeugt von der Bedeutung der Stadt in der Antike. Entdeckt wurde es erst im 20. Jahrhundert mitten zwischen den Palazzi der Altstadt.

(Foto: © giovanasousa - Pixabay)

Besonders eindrucksvoll zeigt sich der Stil an der Basilika Santa Croce mit ihren detailreichen Fassadenreliefs, am Palazzo del Seminario und an der Piazza del Duomo mit der Cattedrale di Maria Santissima Assunta. Lecce ist zugleich eine lebendige Universitätsstadt und das kulturelle Zentrum des Salento.

Gargano und die Nationalparks

Zwei Nationalparks schützen die wertvollsten Naturlandschaften Apuliens. Der Parco Nazionale del Gargano schützt große Teile des Gargano-Sporns im Nordosten der Region. Der Park ist bekannt für die Foresta Umbra, einen alten Buchen- und Eichenwald, der seit 2017 zur UNESCO-Welterbestätte Alte Buchenwälder und Buchenurwälder zählt. Vorgelagert liegen die Tremiti-Inseln, Apuliens einzige Inselgruppe.

Der Parco Nazionale dell'Alta Murgia wurde 2004 gegründet und erstreckt sich über das Hochplateau der Murge zwischen Bari und Andria. Hier dominieren Steppenlandschaften, Kalksteinformationen und ein dichtes Netz historischer Trockenmauern. Mitten im Park steht das Castel del Monte.

Orecchiette, Burrata und Olivenöl

Die Küche Apuliens wurzelt in der Cucina Povera, der Küche der einfachen Leute. Gemüse, Hartweizengrieß, Olivenöl und wenig Fleisch bilden die Basis vieler Gerichte. Die bekannteste Pasta-Form ist die Orecchiette aus Bari, kleine Teigohren, die traditionell von Hand gedreht und klassisch mit Cime di Rapa serviert werden, einer leicht bitteren Blattgemüseart aus der Familie der Kreuzblütler. In der Altstadt Bari Vecchia drehen Frauen die Pasta bis heute auf offener Straße vor den Haustüren.

Zu den berühmtesten Käsesorten zählt die Burrata, erfunden in Andria in den 1950er Jahren. Die äußere Hülle besteht aus Mozzarella, der Kern aus Stracciatella und Sahne. Die Burrata di Andria trägt heute den IGP-Herkunftsschutz. Daneben sind Taralli, kleine ringförmige Gebäckstücke, allgegenwärtig und werden traditionell zum Aperitivo gereicht. Das Pane di Altamura DOP, ein Hartweizenbrot mit charakteristisch dunkler Kruste, gehört ebenfalls zu den geschützten Spezialitäten der Region.

Beim Olivenöl ist Apulien die Großmacht Italiens: Mehr als 40 Prozent der nationalen Produktion stammen aus der Region. Die Olivenhaine der Salento-Halbinsel, teilweise mit jahrhundertealten Bäumen, prägen das Landschaftsbild. Seit 2013 sorgt allerdings der Erreger Xylella fastidiosa für massive Verluste in den Beständen.

Primitivo, Negroamaro und Nero di Troia

Apulien gehört zu den größten Weinbauregionen Italiens. Drei Hauptrebsorten prägen die regionale Produktion. Der Primitivo, besonders aus der Appellation Primitivo di Manduria DOC, ergibt kraftvolle, dunkle Rotweine mit hohem Alkoholgehalt und reifer Beerenfrucht. Die Rebsorte ist genetisch identisch mit dem amerikanischen Zinfandel und stammt ursprünglich aus Kroatien.

Der Negroamaro prägt vor allem den Salento und steht hinter bekannten Appellationen wie Salice Salentino DOC. Im Norden Apuliens dominiert der Nero di Troia, zentraler Bestandteil der Appellationen Castel del Monte DOC und Castel del Monte Nero di Troia Riserva DOCG. Als Weißwein-Enklave gilt die Valle d'Itria mit dem Locorotondo DOC, einem leichten, frischen Wein aus Verdeca- und Bianco-d'Alessano-Trauben.

Kleine Häfen prägen die Salento-Küste von Porto Cesareo bis Santa Maria di Leuca. Fischerei und Tourismus bestimmen hier den Alltag, auch wenn die großen Touristenströme der Hauptsaison vorbei sind.

Kleine Häfen prägen die Salento-Küste von Porto Cesareo bis Santa Maria di Leuca. Fischerei und Tourismus bestimmen hier den Alltag, auch wenn die großen Touristenströme der Hauptsaison vorbei sind.

(Foto: © fiammingo - Pixabay)

Salento und das Ende Italiens

Die Salento-Halbinsel bildet die Südspitze Apuliens und gleichzeitig den südöstlichsten Punkt Italiens. Zwischen Lecce, Otranto, Gallipoli und Santa Maria di Leuca liegt eine der eigenständigsten Teilregionen Italiens, mit eigener Sprache (dem Griko-Dialekt in einigen Dörfern), eigener Küche und einer besonderen Lichtstimmung, die Fotografen und Künstler seit Jahren anzieht. Im Otranto-Kanal zwischen der Punta Palascia und der albanischen Küste liegen nur rund 70 Kilometer offenes Meer, an klaren Tagen ist die albanische Küste von der apulischen Seite aus zu erkennen.

Zu den beliebtesten Zielen im Salento zählen die weit gezogene Küste von Porto Cesareo bis Pescoluse mit ihrem feinen Sand, die mittelalterliche Altstadt von Otranto und das kleine Hafenstädtchen Santa Maria di Leuca an der Südspitze. Nördlich schließen sich die Grotten von Castellana in der Provinz Bari an, und westlich jenseits der Regionsgrenze lockt die Höhlenstadt Matera in der Basilikata.

Reisezeit und Anreise

Die Hauptsaison in Apulien reicht von Juli bis September, mit Höhepunkt im August. Dann sind Küstenorte wie Polignano a Mare, Otranto und Gallipoli stark frequentiert. Entspannter wird es im Mai, Juni und von September bis Oktober, wenn die Temperaturen angenehm bleiben, das Meer aber noch warm ist.

Hauptflughäfen sind Bari Palese an der mittleren Adriaküste und Brindisi Casale im südöstlichen Apulien, beide werden von mehreren europäischen Fluggesellschaften bedient. Für die Anreise mit dem Auto führt die Autobahn A14 von Bologna über die Adriaküste nach Bari und weiter bis Taranto. Alternativ erreicht man die Region mit dem Zug über die Ferrovie dello Stato bis Bari oder Lecce.

Wer Apulien in der Breite erleben will, braucht Zeit und ein Auto. Die bekannten Orte wie Alberobello, Lecce und Polignano a Mare verdienen jeweils einen eigenen Tag, dazwischen liegen Weinberge, Olivenhaine und kleine Dörfer, die den stillsten Teil der Region ausmachen.

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