Zwischen Kampanien, Apulien und Kalabrien liegt die Basilikata, eine der am dünnsten besiedelten Regionen Italiens. Der antike Name Lucania schwingt bis heute in Küche, Bergen und Sprache mit. Von den Dolomiti Lucane bis zum Pollino-Massiv reicht die Landschaft, von Maratea am Tyrrhenischen Meer bis Metaponto an der Ionischen Küste. Herzstück ist Matera mit seinen Sassi, UNESCO-Welterbe seit 1993.
Dünn besiedelt und bergig: die Grunddaten
Die Basilikata ist eine Bergregion mit zwei kurzen Küstenabschnitten. Im Westen reicht sie auf rund 30 Kilometern ans Tyrrhenische Meer, im Südosten auf rund 40 Kilometern an das Ionische Meer. Nach ISTAT-Zahlen zählt die Region zum Stichtag 1. Januar 2026 insgesamt 525.281 Einwohner, umfasst 10.073 Quadratkilometer und hat eine Bevölkerungsdichte von nur 52 Einwohnern pro Quadratkilometer. Die 131 Gemeinden verteilen sich auf zwei Provinzen, Potenza und Matera.
Die Hauptstadt Potenza liegt auf 819 Metern über dem Meer und zählt 63.403 Einwohner. Damit ist sie zugleich die höchstgelegene Regionalhauptstadt Italiens. Rund 90 Prozent der Fläche sind Hügel und Gebirge, nur ein schmaler Streifen an der Ionischen Küste ist flach. Die Basilikata gehört zum Mezzogiorno, dem italienischen Süden, und trug in der Antike den Namen Lucania.
Matera: die Stadt der Sassi
Matera ist die bekannteste Stadt der Region. Die beiden Sassi-Viertel Sasso Caveoso und Sasso Barisano ziehen sich entlang einer Schlucht, in der seit der Jungsteinzeit gewohnt wurde. Höhlen, Zisternen und über 150 in den Fels gehauene Kirchen bilden eine der ältesten durchgehend bewohnten Stadtlandschaften der Welt. 1993 nahm die UNESCO die Sassi und den Parco delle Chiese Rupestri als Welterbe auf, 2019 war Matera europäische Kulturhauptstadt.
Die Geschichte Materas ist auch die Geschichte eines Umbruchs. In den 1950er Jahren galten die Sassi als „nationale Schande": Zehntausende Bewohner lebten in Höhlen ohne Wasser und Strom. Ein Gesetz von 1952 ordnete die Räumung an. Erst ab den 1980er Jahren wurden die Viertel saniert, heute beherbergen sie Hotels, Restaurants und Ateliers.

Blick über die Dächer von Matera: Die dicht aneinandergebauten Häuser der historischen Sassi prägen das Stadtbild. Die Höhlenviertel zählen zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Basilikata.
Pollino, Dolomiti Lucane und die Berge
Zwischen Basilikata und Kalabrien erstreckt sich der Parco Nazionale del Pollino auf über 192.000 Hektar und ist damit der größte Nationalpark Italiens. 2015 wurde er in das Netzwerk der UNESCO Global Geoparks aufgenommen. Wahrzeichen des Parks ist die Loricato-Kiefer (Pinus leucodermis), deren schuppige Rinde an die Panzer römischer Soldaten erinnert; einzelne Exemplare werden auf über 900 Jahre geschätzt. Zu den höchsten Gipfeln zählen Serra Dolcedorme (2.267 Meter) und Monte Pollino (2.248 Meter).
Mitten in der Provinz Potenza stehen die Dolomiti Lucane, zerklüftete Sandsteinnadeln rund um die Dörfer Castelmezzano und Pietrapertosa. Beide gelten als „Borghi più belli d'Italia". Zwischen den beiden Orten verläuft die Zipline „Volo dell'Angelo", an der Besucher die Schlucht an einem Stahlseil überqueren. Weiter östlich prägen die Calanchi den Boden: trockene Erosionsrinnen, die ganze Landschaften in gewellte Grate zerschneiden.
Städte und Dörfer: Potenza, Melfi, Craco, Aliano
Die Regionalhauptstadt Potenza liegt auf einem Höhenrücken über dem Tal des Basento. Historisches Zentrum, Via Pretoria und das Museo Archeologico Nazionale della Basilicata bilden den Kern. Nördlich davon, am Fuß des erloschenen Vulkans Monte Vulture, liegt Melfi mit seinem normannisch-staufischen Kastell; dort erließ Friedrich II. 1231 die Constitutiones Melfitanae, eines der ersten umfassenden Gesetzbücher des Mittelalters.
Nicht weniger bekannt sind die verlassenen Dörfer. Craco wurde ab 1963 nach einer Reihe von Erdrutschen aufgegeben und steht heute als Geisterstadt zwischen den Hügeln. Aliano in der Provinz Matera war Verbannungsort des Schriftstellers Carlo Levi und ist bis heute mit seinem Werk „Cristo si è fermato a Eboli" verbunden. Für zahlreiche kleine Gemeinden der Basilikata gilt die italienische Flat-Tax-Regelung für ausländische Rentner: ein Pauschalsatz von sieben Prozent auf ausländische Einkünfte.
Maratea und Metaponto: Steilküste und Sandstrand
Am Tyrrhenischen Meer besitzt die Basilikata eine rund 30 Kilometer lange Steilküste bei Maratea. Der Ort selbst wird gern als „Perle des Tyrrhenischen Meers" bezeichnet und zählt zahlreiche Kirchen und Kapellen. Hoch über der Stadt steht auf dem Monte San Biagio die 21 Meter hohe Christus-Statue von Bruno Innocenti, eine der höchsten Christus-Figuren Italiens. Ortsteile wie Acquafredda, Fiumicello und Marina di Maratea reihen Buchten und Grotten aneinander.

Der Hafen von Maratea liegt eingebettet zwischen dem Tyrrhenischen Meer und den grünen Berghängen der Basilikata. Kleine Boote schaukeln im geschützten Hafenbecken, während sich die Häuser des Küstenortes den Hang hinaufziehen.
Die Ionische Küste zwischen Policoro und Metaponto ist flach, mit langen Sandstränden und Pinienwäldern. Hier liegt das archäologische Metaponto, eine der eindrucksvollsten Stätten der Magna Grecia. Die Achäer gründeten die Stadt in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts vor Christus; auf dem Areal stehen die Reste mehrerer dorischer Tempel und eines Theaters aus dem 4. Jahrhundert vor Christus. Nordwestlich davon stehen die als Tavole Palatine bekannten Säulen eines dorischen Tempels, heute eines der bekanntesten Wahrzeichen der Lucania.
Küche und Wein: Aglianico, Pane di Matera, Peperoni cruschi
Die lucanische Küche ist bodenständig und wird in Rom und Mailand als Teil der cucina povera des Südens geschätzt. Das Pane di Matera trägt seit 2008 das europäische IGP-Siegel; es wird aus Hartweizen gebacken und erreicht mit seiner Form eines spitzen Hornes bis zu zwei Kilogramm pro Laib. Die Paprikaschoten „Peperone di Senise", oft als knusprige „cruschi" kurz frittiert serviert, tragen seit 1996 das IGP-Siegel. Lucanica-Wurst, Caciocavallo-Käse und Lagane-Nudeln mit Kichererbsen gehören zum Standardrepertoire.
Beim Wein ist die Region kleiner Produzent, aber mit einer internationalen Spitze. Der Aglianico del Vulture Superiore, 2010 zum DOCG erhoben, wird am Hang des erloschenen Monte Vulture aus 100 Prozent Aglianico-Trauben gewonnen. Dazu kommen die DOC-Zonen Aglianico del Vulture, Matera und Terre dell'Alta Val d'Agri. Als weißer Vertreter gilt der Greco der Matera DOC.
Tourismus, Reisezeit und Anreise
Die beste Reisezeit hängt vom Ziel ab. Für Städtereisen nach Matera und Potenza sind April bis Juni sowie September und Oktober geeignet; im Hochsommer wird es in der Höhe heiß, an der Ionischen Küste über 35 Grad. Der Herbst gilt wegen der Weinlese und des klaren Lichts in den Dolomiti Lucane vielen als die schönste Jahreszeit, der Winter bringt im Pollino Schnee und Ski-Angebote.
Die Basilikata hat keinen eigenen internationalen Flughafen. Fluggäste kommen über Bari in Apulien oder über Neapel, von dort geht es per Auto, Mietwagen oder Bus weiter. Trenitalia bindet Potenza und Metaponto über die Linien aus Neapel, Rom und Tarent an das Netz; eine durchgehende Hochgeschwindigkeitsverbindung existiert nicht. Für den Pollino bietet sich die Anreise über das kalabrische Lamezia Terme oder von Osten über Apulien an. Im Inneren der Region ist das Auto der mit Abstand praktischste Weg.




