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Capri: Die berühmte Insel im Golf von Neapel entdecken

Redaktion
Capri von oben: Die Faraglioni vor der Südostküste, im Vordergrund eine römisch anmutende Statue, am Horizont die Sorrentinische Halbinsel.

Capri von oben: Die Faraglioni vor der Südostküste, im Vordergrund eine römisch anmutende Statue, am Horizont die Sorrentinische Halbinsel.

(Foto: © Sergii Figurnyi - adobe.stock.com)
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Wenige Orte im Mittelmeer haben die europäische Reise-Vorstellung so nachhaltig geprägt wie die Insel Capri. Der Felsen von etwa zehn Quadratkilometern Fläche im südlichen Golf von Neapel ist seit der römischen Antike ein Ziel für kulturell Reisende, Herrscher, Künstler und Sommerfrischler. Kaiser Augustus verliebte sich hier in die milde Luft, Tiberius machte die Insel zum Regierungssitz des Römischen Reiches, deutsche Industrielle wie Friedrich Alfred Krupp trugen ihren Teil zum touristischen Aufbau bei, und Schriftsteller von Norman Douglas bis Curzio Malaparte haben Capri literarisch verewigt. Wer die Insel heute besucht, findet zwischen der Blauen Grotte, der Piazzetta, den Faraglioni-Felsen und den botanischen Gärten eine dicht gestaffelte Landschaft aus Geschichte, Natur und mediterraner Lebensform. Ein Portrait.

Was Capri ausmacht, lässt sich schwer in einer einzelnen Beobachtung zusammenfassen. Es ist die Kombination aus zehn Quadratkilometern Fläche mit einer überraschenden Vielfalt an Landschaften: steile Kalksteinklippen und sanfte Buchten, terrassierte Zitronengärten und mediterrane Macchia, klassizistische Villen und mittelalterliche Gassen. Es ist die kulturelle Dichte, die von der römischen Kaiserzeit über die romantische Wiederentdeckung im 19. Jahrhundert bis in die literarischen Salons des 20. Jahrhunderts reicht. Es ist das mediterrane Licht, das Maler seit August Kopisch nach Capri zieht. Und es ist die soziale Offenheit, die auf einer sehr kleinen Insel eine kosmopolitische Atmosphäre ermöglicht, wie sie sonst nur Großstädten vorbehalten ist. In der Verdichtung dieser Elemente liegt der Grund, warum die Anziehungskraft der Insel seit zweitausend Jahren nie abgerissen ist.

Wo Capri liegt und wie man hinkommt

Capri liegt am südlichen Eingang des Golfs von Neapel, etwa fünf Kilometer vor der Halbinsel Sorrent, gegenüber von Punta Campanella. Die Insel besteht aus zwei Gemeinden, dem Hauptort Capri im östlichen Teil und dem höher gelegenen Anacapri im Westen, verbunden durch die serpentinenreiche Via Provinciale und durch die 1874 gebaute Standseilbahn von Marina Grande zur Piazzetta. Die Anreise erfolgt ausschließlich per Schiff, mit Fähren und Aliscafi ab Neapel Molo Beverello, Sorrent, Positano und Amalfi. Auch von der Nachbarinsel Ischia und von den Fähren-Häfen bei Pozzuoli sind saisonale Verbindungen möglich. Für Autos gilt zwischen Ostern und November das Landeverbot für Touristenfahrzeuge, Reisende sollten ihr Auto also in Neapel oder Sorrent lassen und die Insel mit Bus, Funicolare oder zu Fuß erkunden.

Von Tiberius bis heute: Die Geschichte der Insel

Die menschliche Präsenz auf Capri reicht bis in die griechische Antike, als die Insel Teil der Magna Graecia war und in mythologischen Erzählungen mit den Sirenen assoziiert wurde. Die entscheidende Prägung erhielt Capri jedoch durch das römische Kaisertum. Kaiser Augustus verliebte sich bei einer Zwischenlandung so sehr in die Insel, dass er sie 29 v. Chr. von der Stadt Neapel im Tausch gegen die benachbarte Insel Aenaria, das heutige Ischia, erwarb und dort erste Villen bauen ließ. Sein Nachfolger Tiberius machte Capri im Jahr 27 n. Chr. zum bevorzugten Regierungssitz und verbrachte die zehn folgenden Jahre bis zu seinem Tod überwiegend auf der Insel, mit der Villa Jovis hoch oben im Nordosten als Hauptresidenz. Ein Rückzug, den römische Schriftsteller wie Sueton mit einer Mischung aus Faszination und Kritik beschrieben.

Im Mittelalter und der frühen Neuzeit war Capri wenig bemerkenswert und diente vor allem als militärischer Vorposten des Königreichs Neapel. Erst im 19. Jahrhundert kehrte die kulturelle Bedeutung zurück, als deutsche und britische Reisende die Insel als romantisches Ziel entdeckten. 1826 wurde die Blaue Grotte durch den deutschen Dichter und Maler August Kopisch und den schwäbischen Schriftsteller Wilhelm Waiblinger wiederentdeckt, und mit ihr begann der moderne Tourismus. Der Essener Industrielle Friedrich Alfred Krupp ließ um 1900 die serpentinenreiche Via Krupp anlegen, die vom Zentrum zur Bucht von Marina Piccola führt, und Kaiser Wilhelm II. war ein regelmäßiger Gast der Insel. Im 20. Jahrhundert folgten der schottische Schriftsteller Norman Douglas mit seinem Roman South Wind, Curzio Malaparte mit der ikonischen Casa Malaparte auf den Klippen von Punta Massullo, sowie Elsa Morante, Alberto Moravia, Rainer Maria Rilke und viele andere.

Die Piazzetta di Capri: Herz der Insel

Der zentrale Treffpunkt der Insel ist die Piazzetta di Capri, offiziell Piazza Umberto I., ein kleiner überschaubarer Platz im Herzen des Hauptortes, umgeben von vier Bars mit Freiluftterrassen und dem Uhrturm der ehemaligen Kirche Santo Stefano. Von hier gehen die zentralen Einkaufsgassen ab, mit den bekannten Modemarken der internationalen Kundschaft, aber auch mit den historischen Adressen wie der Cerio-Bibliothek und dem Palazzo del Cerio. Die Piazzetta ist bekannt als „il salotto del mondo", das Wohnzimmer der Welt, ein Verweis auf die vermischten Kundschaften aus internationalem Tourismus und einheimischer Bevölkerung, die sich hier zum Aperitivo, zum Kaffee oder einfach zur Beobachtung des Insel-Alltags treffen.

Die Blaue Grotte und die Faraglioni

Zwei Natur-Ikonen prägen das Bild https://vivereinitalien.de/capri-cecilia-barbara-walch weltweit. Die Blaue Grotte, italienisch Grotta Azzurra, ist eine 60 Meter lange und 25 Meter breite Meereshöhle an der Nordwestküste der Insel, deren Wasser durch eine Unterwasseröffnung ein charakteristisch leuchtendes Blau annimmt, das an klaren Tagen fast künstlich wirkt. Der Zugang erfolgt mit kleinen Ruderbooten durch eine niedrige Öffnung, die nur bei ruhiger See und in bestimmten Gezeiten passierbar ist. Wie das offizielle Tourismus-Portal Italia.it in seinem Grotta-Azzurra-Portrait dokumentiert, wird die Höhle täglich von zahlreichen Booten angefahren, mit teils langen Wartezeiten in der Hochsaison.

Die Faraglioni vor Capri gehören zu den berühmtesten Naturwahrzeichen der Insel. Die drei markanten Kalksteinfelsen ragen vor der Südostküste aus dem tiefblauen Tyrrhenischen Meer und erreichen teilweise eine Höhe von mehr als 100 Metern.

Die Faraglioni vor Capri gehören zu den berühmtesten Naturwahrzeichen der Insel. Die drei markanten Kalksteinfelsen ragen vor der Südostküste aus dem tiefblauen Tyrrhenischen Meer und erreichen teilweise eine Höhe von mehr als 100 Metern.

(Foto: © Leon718 - adobe.stock.com)

Die zweite große Natur-Ikone sind die Faraglioni, drei charakteristische Felsen, die vor der Südostküste aus dem Meer ragen. Der erste, Faraglione di Terra, ist mit dem Festland verbunden, der zweite, Faraglione di Mezzo, hat einen natürlichen Tunnel, durch den Boote hindurchfahren können, und der dritte, Faraglione di Fuori, ist der Lebensraum der auf Capri endemischen Blauen Eidechse (Podarcis siculus coeruleus). Die Faraglioni sind von der Punta Tragara aus und von einer Boots-Rundfahrt der Insel am besten zu sehen und gehören zu den meistfotografierten Motiven Italiens.

Villa Jovis und die römischen Spuren

Auf einem 334 Meter hohen Felsvorsprung im Nordosten der Insel liegt die Villa Jovis, die von Tiberius zwischen 27 und 37 n. Chr. errichtete Residenz und der letzte offizielle Regierungssitz des Kaisers. Die Ruinen umfassen die kaiserlichen Wohnräume, eine große Zisterne, die Reste eines Beobachtungsturmes und das sogenannte Salto di Tiberio, eine steile Klippe, von der der Legende nach Tiberius seine Feinde in den Tod stürzen ließ. Wie das archäologische Portal von Capri Tourism dokumentiert, war die Villa Jovis die größte und aufwendigste der zwölf römischen Villen, die Tiberius auf der Insel errichten ließ. Der Aufstieg von der Piazzetta durch die schmalen Gassen und einen Pinienwald dauert etwa 45 Minuten und wird mit einem der spektakulärsten Ausblicke Süditaliens auf die gegenüberliegende Halbinsel Sorrent und den Golf von Neapel mit dem Vesuv belohnt.

Anacapri und Monte Solaro

Der westliche und höher gelegene Teil der Insel ist die eigenständige Gemeinde Anacapri, die traditionell ruhiger und weniger auf den Massentourismus ausgelegt ist als der Hauptort. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gehört die Villa San Michele, die der schwedische Arzt und Schriftsteller Axel Munthe zwischen 1896 und 1910 auf den Ruinen einer römischen Anlage errichten ließ. Sein Buch Das Buch von San Michele aus dem Jahr 1929 wurde weltweit übersetzt und trug wesentlich zur europäischen Faszination für Capri bei. Von der Villa führt ein Sessellift auf den Monte Solaro, den höchsten Punkt der Insel auf 589 Metern über dem Meer, mit einem Rundum-Blick auf den Golf von Neapel, die Amalfi-Küste, die Halbinsel Sorrent und an klaren Tagen bis zum Vesuv, den Phlegräischen Feldern und zur Insel Ischia.

Die kulinarische Insel: Insalata Caprese und Torta Caprese

Capri hat der italienischen Küche zwei bekannte Rezepte geschenkt. Die Insalata Caprese aus Mozzarella di Bufala Campana, reifen Tomaten und frischem Basilikum, gewürzt nur mit gutem Olivenöl und Salz, gehört zu den meistkopierten italienischen Antipasti weltweit. Ihre Farben Weiß, Rot und Grün spiegeln die italienische Trikolore und sollen laut Legende auf einen Auftritt des Marchese Palazzo bei einem Bankett in den 1920er Jahren zurückgehen, mit dem er den nationalen Patriotismus kulinarisch demonstrieren wollte. Die zweite Ikone ist die Torta Caprese, ein glutenfreier Kuchen aus dunkler Schokolade, gemahlenen Mandeln, Butter, Zucker und Eiern, der der Legende nach einem Zufall entstammt: Ein Konditor der Insel soll Anfang des 20. Jahrhunderts das Mehl vergessen und den Kuchen trotzdem serviert haben, mit unerwartet gutem Ergebnis. Beide Rezepte gehören heute zum festen Repertoire italienischer Restaurants weltweit.

Praktische Tipps für den Besuch

Für einen sinnvollen Besuch eignet sich Capri besonders in den Übergangszeiten von Mai bis Juni und von September bis Oktober, wenn die Temperaturen angenehm sind und die Massen der Hochsaison ausbleiben. Im Juli und August ist die Insel überlaufen, mit langen Wartezeiten an der Blauen Grotte und schwer buchbaren Restaurants. Wer nur einen Tag hat, kommt am besten mit dem frühen Aliscafo aus Neapel oder Sorrent an, nimmt die Funicolare zur Piazzetta, geht zu Fuß zum Belvedere di Tragara mit Blick auf die Faraglioni, isst dort in einer der Trattorien und macht am Nachmittag entweder eine Bootsrundfahrt oder einen Ausflug zur Villa San Michele in Anacapri. Für einen mehrtägigen Aufenthalt bietet Anacapri die ruhigere und günstigere Alternative zur teureren Piazzetta-Umgebung.

Wer die Insel intensiver kennenlernen möchte, findet in der deutschsprachigen Fremdenführerin Cecilia Barbara Walch eine seit 1994 auf Capri lebende Insel-Kennerin, die geführte Touren in deutscher Sprache anbietet. Für die offiziellen Öffnungszeiten der Blauen Grotte, der Villa Jovis und weiterer Sehenswürdigkeiten bietet das offizielle Tourismus-Portal von Capri tagesaktuelle Informationen. Reisende, die vor oder nach dem Besuch auch das Festland erkunden, kombinieren Capri oft mit einem Aufenthalt in Pozzuoli, in Neapel oder an der Amalfi-Küste, wobei die Halbinsel Sorrent der bequemste Absprungpunkt für Tagestrips zur Insel bleibt.


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