Die Waalwege in Lana und Umgebung gehören zu den schönsten und zugleich ungewöhnlichsten Wanderwegen Südtirols. Sie folgen jenen alten Bewässerungskanälen, die seit dem Mittelalter Wasser von den Bergen in die trockenen Täler leiten. Was einst eine bittere Notwendigkeit war, ist heute ein Glücksfall für Wanderer, denn die schmalen Pfade entlang der Waale führen durch eine der eindrucksvollsten Kulturlandschaften der Region.
Zwischen Obstwiesen, Rebhängen und Kastanienhainen ziehen sich die Waalwege wie feine Linien durch das Burggrafenamt. Sie erzählen von einer Zeit, in der Wasser nicht selbstverständlich war, und von einem System, das bis heute funktioniert. Die schmalen Pfade entlang der Kanäle dienten einst der Wartung. Heute sind sie ein Stück gelebter Kulturgeschichte und gleichzeitig ein beliebter Weg für Spaziergänger, Wanderer und Gäste, die die Region zu Fuß entdecken möchten.
Was Waale sind und wie sie entstanden
Das Wort Waal bezeichnet einen offenen oder verrohrten Bewässerungskanal. Ab dem Mittelalter legten die Bewohner Südtirols einfache, aber äußerst wirkungsvolle Bewässerungsanlagen für ihre Obstwiesen und Weingärten an. Das Wasser kommt aus höheren Lagen, oft direkt aus Gebirgsbächen, und wird über zahlreiche Kilometer hinweg ins Tal geleitet. Ohne diese Anlagen wäre die Landwirtschaft auf den sonnigen Hängen über dem Etschtal kaum möglich gewesen.
Entlang der Kanäle entstanden schmale Wartungspfade, auf denen die Bauern täglich kontrollierten, ob das Wasser ungehindert floss. Genau diese Pfade sind heute die Waalwege. Sie verlaufen oft leicht ansteigend oder hangparallel, sind meist gut zu gehen und führen durch eine der vielfältigsten Kulturlandschaften Südtirols.
Drei der bekanntesten Waalwege
Zu den bekanntesten Waalwegen rund um Lana und Meran zählen drei Anlagen, die jeder Wanderfreund kennen sollte.
Der Brandiswaalweg zwischen Lana und Burgstall ist einer der ältesten der Region und reicht in seiner heutigen Form ins 14. Jahrhundert zurück. Er ist rund sechs Kilometer lang, leicht zu gehen und eignet sich auch für Familien. Seit den 1960er Jahren verläuft das Wasser unterirdisch in einem geschlossenen Rohrsystem, der Weg selbst ist aber unverändert geblieben. Wer ihn geht, kommt durch Obstgärten und Kastanienhaine und genießt immer wieder Ausblicke auf das Etschtal.
Der Algunder Waalweg zwischen Töll und Gratsch oberhalb von Meran ist mit rund fünf Kilometern ähnlich lang, aber stellenweise etwas anspruchsvoller. Er führt durch eine besonders mediterrane Landschaft mit Weinreben, Feigen- und Olivenbäumen und ist im Frühling und Herbst besonders schön.
Der Marlinger Waalweg ist mit etwa zwölf Kilometern der längste der drei und gilt als einer der schönsten Wanderwege Südtirols überhaupt. Er verläuft am Sonnenhang oberhalb von Marling und bietet auf seiner gesamten Strecke spektakuläre Ausblicke auf Meran, das Etschtal und die umliegenden Berge. Wer die ganze Strecke gehen möchte, sollte etwa drei bis vier Stunden einplanen.

Ein Holzsteg führt entlang eines Waalwegs durch den Fels. Die schmalen Pfade entlang der alten Bewässerungskanäle gehören zu den schönsten Wanderwegen Südtirols.
Eine Landschaft, die sich verändert hat
"Die Aussicht über das Etschtal ist besonders charakteristisch für unsere Waalwege. Jeder Weg hat seinen eigenen Reiz, einige sind leicht begehbar, andere wiederum anspruchsvoller", sagt Dietmar Knoll vom Bodenverbesserungskonsortium Auenwegleege Niederlana. Auch wenn sich die Region verändert hat, ist eines geblieben: die enge Verbindung zwischen Landwirtschaft, Wasser und Landschaft.
Seit den 1960er Jahren verläuft das Wasser im Brandiswaalweg unterirdisch und wird von Freizeit- und Erholungszwecken nicht beeinträchtigt. So gelingt es, Tradition und moderne Nutzung nebeneinander bestehen zu lassen. Die Waalwege sind also kein Museum, sondern Teil eines lebendigen Systems, das bis heute eine wichtige Aufgabe erfüllt.
Ein System, das weiterlebt
Die Waalwege in Lana und Umgebung sind kein bloßes Zeugnis der Vergangenheit, sondern ein Teil des heutigen Alltags. Für die Pflege des Brandiswaalwegs sind die Marktgemeinde Lana und die zuständigen Einrichtungen verantwortlich. Der Tourismusverein Lana und Umgebung begleitet die entsprechenden Maßnahmen. Während sich die Gemeinde um den Weg kümmert, sorgen die weiteren Partner für die Instandhaltung der zugehörigen Anlagen.
"Unser Waal verläuft heute überwiegend in einem geschlossenen Rohrsystem. Dadurch ist der oberirdische Pflegeaufwand gering und das Wasser bleibt frei von Laub oder Verunreinigungen", erklärt Knoll. Während die Waalwege heute vor allem der Erholung und dem Naturerlebnis dienen, haben die Kanäle ihre ursprüngliche Aufgabe nie verloren. Das Wasser wird weiterhin für die Bewässerung und die Frostberegnung genutzt, ein entscheidender Faktor für die Landwirtschaft in den Hanglagen rund um Lana.
Warum sich der Besuch lohnt
Die Waalwege sind etwas Besonderes, weil sie verschiedene Aspekte verbinden, die anderswo selten zusammenkommen. Es ist gleichzeitig eine Wanderung durch eine über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft, ein Spaziergang entlang eines noch funktionierenden alten Wassersystems, ein Erlebnis mit ständig wechselnden Ausblicken auf das Etschtal und ein Eintauchen in jene Mischung aus mediterraner und alpiner Landschaft, die das Meraner Land so besonders macht.
Solange die Pflege der Obstwiesen und Weingärten besteht, bleibt auch das Waal-System lebendig und eng verbunden mit der Arbeit der Menschen in der Region. Wer Südtirol abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten kennenlernen möchte, findet in den Waalwegen eine besondere Möglichkeit dazu. Praktische Hilfe bei der Reiseplanung bietet außerdem die digitale Reisebegleiterin Maia, die der Tourismusverein zur Unterstützung der Gäste eingeführt hat.





