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Gardasee: Hitze lässt Wasserstand rasant sinken

Niedrigwasser am Gardasee, hier in einer Aufnahme aus früheren Hitzesommern: Wenn der Wasserstand stark sinkt, treten Steine und Sedimentflächen am Ufer hervor, die sonst unter der Oberfläche liegen.

Niedrigwasser am Gardasee, hier in einer Aufnahme aus früheren Hitzesommern: Wenn der Wasserstand stark sinkt, treten Steine und Sedimentflächen am Ufer hervor, die sonst unter der Oberfläche liegen.

(Foto: © Sebastian - stock.adobe.com)
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Der Wasserstand des Gardasees ist innerhalb weniger Tage deutlich gesunken. Am Pegel von Peschiera del Garda misst der See aktuell nur noch +99 Zentimeter über dem hydrometrischen Nullpunkt, ein Verlust von etwa zehn Zentimetern innerhalb einer Woche. Damit liegt der Pegel zum ersten Mal in diesem Jahr unter der Marke von einem Meter. Vor zwölf Monaten war der Wasserstand noch 24 Zentimeter höher.

Verantwortlich für den raschen Rückgang ist die anhaltende Hitzewelle, die Italien derzeit fest im Griff hat und für die das Gesundheitsministerium in 16 Großstädten die Hitzewarnstufe Rot ausgerufen hat. Auch der größte See Italiens bleibt von den extremen Temperaturen nicht verschont.

Verdunstung, Hitze und landwirtschaftliche Entnahmen

Mehrere Faktoren treffen am Gardasee zusammen. Seit einer Woche scheint die Sonne nahezu ununterbrochen, die Temperaturen liegen bei rund 35 Grad. An besonders heißen Tagen, wenn die Werte 33 oder 34 Grad übersteigen, verdunsten von der Seeoberfläche bis zu zwei Zentimeter Wasser pro Tag. Bei der Fläche des Sees von rund 370 Quadratkilometern entspricht das mehreren Milliarden Litern täglich.

Hinzu kommt die landwirtschaftliche Wasserentnahme in der Poebene. Am Stauwerk von Salionze, wo das Wasser des Gardasees in den Fluss Mincio abgeleitet wird, betragen die Abflüsse aktuell 75 Kubikmeter pro Sekunde, während nur 50 Kubikmeter pro Sekunde zufließen. Das Becken ist zu rund 75 Prozent gefüllt. Die Bilanz ist klar negativ: Es fließt deutlich mehr Wasser ab, als nachkommt.

Comunità del Garda fordert Reduzierung der Abflüsse

Die Comunità del Garda, die Vereinigung der 55 Anrainergemeinden in der Lombardei, Venetien und im Trentino, hat reagiert. Pierlucio Ceresa, Generalsekretär der Comunità, hat die Po-Flussbehörde AIPo gebeten, die Abflüsse aus dem Gardasee in den kommenden Tagen vorsorglich zu reduzieren."Der Sommer hat erst vor drei Tagen begonnen", sagte Ceresa gegenüber Radio Bruno Brescia, und verwies darauf, dass die Wasserreserven nicht zu früh in der Saison verbraucht werden dürfen.

Die Verwaltung des Gardasees ist komplex, weil das Wasser des Beckens mehrere Funktionen erfüllt: Es dient als Trinkwasser, für die Landwirtschaft, für den Tourismus, die Industrie, die Stromerzeugung und sogar für Thermalzwecke. Die täglichen Abstimmungen zwischen AIPo und der Comunità del Garda werden in dieser Saison besonders eng geführt.

Auch andere norditalienische Seen betroffen

Der Gardasee ist nicht der einzige norditalienische See, dessen Pegel stark fällt. Auch der Iseo-See, in der Region Brescia und Bergamo gelegen, hat in den letzten Tagen erheblich Wasser verloren. Sein aktueller Stand liegt bei +68 Zentimetern, gegenüber +94 Zentimetern vor einem Jahr. Innerhalb von etwa zwei Wochen hat der See 38 Zentimeter eingebüßt.

Vergleichsweise stabil zeigt sich der kleinere Lago d'Idro, dessen Werte ungefähr auf Vorjahresniveau liegen. Insgesamt aber bestätigt sich der Trend: Die wichtigsten norditalienischen Seen leiden unter der Kombination aus früher Hitze, hoher Verdunstung und gleichzeitig hohem Wasserbedarf in der Poebene.

Wettervorhersage: Keine schnelle Entspannung

Eine kurzfristige Entspannung ist nicht in Sicht. Die Wettermodelle deuten darauf hin, dass die Hitze in den kommenden Tagen sogar noch zunimmt. Bis Montag werden Temperaturanstiege von zwei bis vier Grad erwartet. In zahlreichen Orten rund um den Gardasee sowie in der gesamten Poebene könnten die Höchstwerte auf bis zu 38 Grad steigen.

Meteorologen sprechen bereits von einer der schwersten Hitzewellen der vergangenen hundert Jahre. Die gelegentlichen Wärmegewitter aus dem Alpenraum bringen zwar zeitweise Entlastung, sorgen aber kaum für spürbare Abkühlung. Bis mindestens Anfang Juli ist nach den aktuellen Prognosen kein Ende der außergewöhnlichen Hitzephase in Sicht.

Keine Gefahr für den See selbst

Trotz der besorgniserregenden Entwicklung ist nicht zu befürchten, dass der Gardasee tatsächlich austrocknet. Das Binnengewässer erreicht an seiner tiefsten Stelle 346 Meter, die durchschnittliche Wassertiefe liegt bei etwa 135 Metern. Selbst die historischen Tiefststände von 2003 und 2007 zeigten zwar sichtbar Niedrigwasser an den Ufern, gefährdeten aber nie das Bestehen des Sees selbst.

Was Experten beunruhigt, ist vielmehr der Trend. Hitzephasen wie die aktuelle waren früher seltene Extremereignisse, scheinen sich aber zunehmend zur sommerlichen Normalität zu entwickeln. Wer mehr über das italienische Warnsystem und die Lebenskunst der Italiener im Umgang mit extremen Temperaturen lesen möchte, findet alle Details in unserem Hintergrundartikel zur Hitze in Italien. Für Reisende, Anrainer und Landwirte bedeutet das, dass die Frage nach dem Wasserstand der norditalienischen Seen in den kommenden Jahren häufiger und drängender werden dürfte.

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