Am Sonntag haben wir Minturnae bei Minturno besucht, eine römische Ausgrabungsstätte im südlichen Latium. Von Pozzuoli aus waren es rund 55 Kilometer. Die Fahrt dauerte etwa eine Stunde. Anfang Oktober zeigte sich das Wetter noch einmal spätsommerlich: strahlender Sonnenschein, rund 26 Grad und gute Bedingungen für einen Aufenthalt im Freien.
Da es der erste Sonntag im Monat war, blieb der Eintritt frei. Die Anlage war gut besucht, ohne überlaufen zu wirken. Zwischen Via Appia, Theater, Forum und Thermen verteilten sich die Besucher gut auf dem Gelände.
Minturnae gehört zu den Orten, die man leicht übersieht, obwohl sie historisch viel zu bieten haben. Die antike Stadt lag direkt an der Via Appia und entwickelte sich durch ihre Lage am Garigliano und nahe der tyrrhenischen Küste zu einem wichtigen militärischen und wirtschaftlichen Punkt zwischen Rom und Süditalien.
Eine Stadt an strategischer Stelle
Minturnae wurde 296 vor Christus als römische Kolonie gegründet. Die Lage war bewusst gewählt: am Fluss Garigliano, nahe der Küste und an einer der wichtigsten Straßen der römischen Welt. Die Via Appia verband Rom mit Süditalien und später mit Brindisi. Für Militär, Handel und Verwaltung war sie eine der zentralen Verkehrsachsen des Reiches.
In Minturnae verlief die Via Appia mitten durch die Stadt. Noch heute kann man diesen Abschnitt sehen und begehen. Das macht den Ort besonders anschaulich: Man betrachtet die antike Straße nicht nur als historischen Begriff, sondern steht direkt auf der alten Verbindung zwischen Rom und dem Süden.
Was man in Minturnae sehen kann
Zu den wichtigsten Bereichen der Ausgrabung gehört das römische Theater. Es entstand in der späten Republik beziehungsweise frühen Kaiserzeit und wurde später mehrfach verändert. In seinen Gewölben befindet sich seit 1984 das Antiquarium, in dem Funde aus der antiken Stadt gezeigt werden, darunter Statuen von Augustus und Livia aus dem Kaisertempel.

Ein erhaltenes Stück der Via Appia führt mitten durch die Ausgrabungsstätte von Minturnae. Die antike Straße machte die Stadt zu einem wichtigen Punkt zwischen Rom und Süditalien.
Nördlich der Via Appia liegt der Bereich des republikanischen Forums. Dort befanden sich unter anderem das Capitolium, also der Tempel für Jupiter, Juno und Minerva, sowie weitere Tempelanlagen. Südlich der Straße entwickelte sich später das kaiserzeitliche Zentrum mit Forum, Curia, Basilika, Marktbereich und Thermen.
Besonders interessant sind die Reste des Macellum, des antiken Marktes. Auch Teile der Thermen sind erhalten, darunter Bereiche mit Mosaikresten. Die Anlage zeigt dadurch nicht nur repräsentative Architektur, sondern auch etwas vom städtischen Alltag in einer römischen Kolonie.
Die Via Appia als Mittelpunkt
Die Via Appia ist der rote Faden des Besuchs. Sie teilt die antike Stadt und erklärt zugleich ihre Bedeutung. Minturnae war kein abgelegener Ort, sondern Teil eines großen römischen Verkehrs- und Handelsnetzes. Die Straße wurde 312 vor Christus unter dem Zensor Appius Claudius Caecus begonnen und wuchs mit allen Ausbaustufen und Varianten auf insgesamt rund 800 Kilometer von Rom bis Brindisi.
Seit 2024 gehört die Via Appia als „Via Appia. Regina Viarum" zum UNESCO-Welterbe. Die Aufnahme in die Liste erfolgte am 27. Juli 2024 während der 46. Sitzung des Welterbekomitees in Neu-Delhi. Italien hat damit seinen 60. Standort auf der Welterbeliste. Entlang der Appia entstanden einst Städte, Märkte, Militärstützpunkte, Brücken, Thermen und öffentliche Gebäude. Bei unserem Besuch waren außerdem Darsteller in römischen Legionärsuniformen vor Ort. Solche Veranstaltungen finden nicht täglich statt, passten aber gut zur Anlage. Gerade auf der alten Via Appia wurde noch einmal deutlich, welche Rolle Militär, Straße und Stadtentwicklung im Römischen Reich spielten.
Besuch Anfang Oktober
Anfang Oktober war Minturnae ein angenehmes Ziel für einen Tagesausflug. Die Sonne stand noch kräftig, es war warm, aber nicht mehr hochsommerlich heiß. Rund 26 Grad sind für eine archäologische Anlage im Freien ideal, solange man Wasser dabeihat und sich Zeit lässt.
Trotz des freien Eintritts am ersten Sonntag im Monat blieb der Besuch entspannt. Die Anlage war gut gefüllt, aber nicht gedrängt. Man konnte Fotos machen, einzelne Bereiche in Ruhe ansehen und die Struktur der antiken Stadt gut nachvollziehen.
Im Vergleich zu Pompeji, Herculaneum oder den großen Ausgrabungen in Rom wirkt Minturnae deutlich ruhiger. Das ist ein Vorteil, weil man sich stärker auf die Stadtanlage konzentrieren kann. Straße, Forum, Theater, Markt und Thermen liegen nah beieinander und ergeben ein klares Bild davon, wie Minturnae aufgebaut war.

Das römische Theater von Minturnae gehört zu den eindrucksvollsten Teilen der Anlage. Im Hintergrund erhebt sich die Berglandschaft des südlichen Latium.
Anfahrt von Pozzuoli
Von Pozzuoli aus ist Minturnae mit dem Auto gut zu erreichen. Die Strecke beträgt rund 55 Kilometer, je nach Verkehr etwa eine Stunde Fahrzeit. Der Eingang zur Ausgrabung liegt an der Via Ferdinando II di Borbone in Minturno, nahe dem Garigliano und dem Ponte Real Ferdinando.
Auf dem Gelände gibt es einen kostenlosen, unbewachten Parkplatz. Für den Rundgang sollte man bequeme Schuhe mitnehmen, im Sommer und an warmen Herbsttagen außerdem Wasser und Sonnenschutz.
Praktische Hinweise
Der reguläre Eintritt kostet 5 Euro, ermäßigt 2 Euro. Am ersten Sonntag im Monat ist der Zutritt im Rahmen der italienischen „Domenica al museo" frei. Die archäologische Zone ist nach Angaben der Museumsverwaltung im Winter von 8.30 bis 16 Uhr geöffnet, im Sommer von 8.30 bis 19 Uhr. Das Antiquarium hat längere Öffnungszeiten. Geschlossen ist montags und dienstags sowie am 1. Januar und 25. Dezember.
Vor der Fahrt empfiehlt sich ein kurzer Blick auf die aktuellen Zeiten, da sich diese in Italien je nach Saison oder Sonderveranstaltung ändern können. Für die Besichtigung sollte man mindestens zwei Stunden einplanen. Wer sich für römische Geschichte interessiert und auch das Antiquarium in Ruhe ansehen möchte, kann problemlos länger bleiben.
Minturnae ist damit ein lohnendes Ziel für alle, die römische Geschichte nicht nur an den bekannten großen Orten erleben möchten. Die Anlage ist kompakt, historisch bedeutend und durch die erhaltene Via Appia besonders gut verständlich. Für einen Ausflug aus Kampanien oder dem südlichen Latium bietet sie genau die richtige Mischung aus Archäologie, Landschaft und gut erreichbarer Geschichte.











