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Diesel-Rekord in Italien: 2,20 Euro auf der Autobahn

Redaktion
Diesel-Rekord an italienischen Autobahnen: 2,204 Euro pro Liter im Selbstbedienungs-Bereich. Die Steuerreduzierung von 17 Cent läuft heute aus, die Regierung Meloni entscheidet in den nächsten Stunden über die weiteren Maßnahmen. (Symbolbild)

Diesel-Rekord an italienischen Autobahnen: 2,204 Euro pro Liter im Selbstbedienungs-Bereich. Die Steuerreduzierung von 17 Cent läuft heute aus, die Regierung Meloni entscheidet in den nächsten Stunden über die weiteren Maßnahmen. (Symbolbild)

(Foto: © Engin_Akyurt - Pixabay)
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Die Diesel-Preise an italienischen Tankstellen haben einen neuen historischen Rekord erreicht. Nach den heute veröffentlichten Zahlen des Ministero delle Imprese e del Made in Italy liegt der durchschnittliche Diesel-Preis auf den italienischen Autobahnen bei 2,204 Euro pro Liter, damit über dem bisherigen Höchststand vom März 2022 und deutlich über dem Preis für Benzin. Am Ende dieses Mittwochs läuft die Steuerreduzierung von 17 Cent aus, die die Regierung im August verabschiedet hatte. Ohne eine schnelle Entscheidung droht ein weiterer Preissprung von rund 17 Cent pro Liter, in Einzelfällen deutlich mehr. Was aktuell auf dem Tisch liegt, was die Verbraucherverbände fordern und was Reisende auf italienischen Autobahnen jetzt wissen sollten, im Überblick.

Der neue Rekord in Zahlen

Wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA aus den offiziellen Zahlen des MIMIT zitiert, liegt der aktuelle Durchschnittspreis für Diesel im Self-Service auf der italienischen Autobahn bei 2,204 Euro pro Liter. Der bisherige Rekord war am 14. März 2022 während der ersten Wochen des Ukraine-Kriegs mit 2,154 Euro pro Liter erreicht worden. Der aktuelle Wert liegt damit rund fünf Cent über dem vorherigen Höchststand. Auf dem regulären Straßennetz beträgt der Durchschnittspreis für Diesel 2,131 Euro pro Liter, für Benzin 2,010 Euro. In der italienischen Rekord-Statistik seit 2022 wurde die Schwelle von 2 Euro pro Liter nur acht Mal überschritten, alle im Zeitraum März 2022 bis September 2023.

Die Verbraucherverbände haben die Zahlen scharf kommentiert. Wie die Tageszeitung Il Faro Online aus dem Codacons-Bericht dokumentiert, hat der Codacons berechnet, dass ohne die aktuelle Steuerreduzierung der Diesel-Preis auf der Autobahn bereits jetzt bei rund 2,375 Euro pro Liter liegen würde. Bei einem 50-Liter-Tank entspräche das einer Mehrausgabe von rund 8,50 Euro pro Betankung. Die Unione Nazionale Consumatori spricht von einem strukturellen Marktproblem und kritisiert das Regierungs-Modell des meccanismo delle accise mobili als „kolossalen Betrug", weil die realen Marktpreise stärker steigen würden als die vom Ministerium angenommenen Werte für die Extra-Einnahmen.

Was heute in Rom entschieden wird

Am heutigen Mittwoch berät die Regierung Meloni unter Leitung von Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti und Umweltminister Gilberto Pichetto Fratin über die weiteren Maßnahmen. Wie Sky TG24 in seiner aktuellen Berichterstattung dokumentiert, sind zwei Optionen im Spiel. Die erste ist eine erneute Verlängerung der pauschalen Steuerreduzierung um weitere Wochen oder Monate, die aber laut Rechnung des Wirtschaftsministeriums rund eine Milliarde Euro pro Monat kosten würde. Die zweite Option sind gezieltere Hilfen für besonders betroffene Gruppen, etwa für Pendler, Speditionen und Gewerbetreibende, die auf Diesel angewiesen sind. Pichetto Fratin hat sich bei einer Pressekonferenz am Rande des Meeting di Rimini vorsichtig geäußert und angekündigt, in den nächsten Stunden werde die Regierung entscheiden.

Die Extra-Einnahmen aus der Mehrwertsteuer auf gestiegene Kraftstoffpreise sind der zentrale Finanzierungsposten. Wie das Portal Juorno mit Bezug auf die aktuelle Debatte berichtet, hat die 48-stündige Verlängerung der Steuerreduzierung bis heute rund 20,8 Millionen Euro aus dem sogenannten extragettito Iva gekostet. Ein monatlicher Betrag von einer Milliarde Euro würde die verfügbaren Mittel schnell überschreiten und einen anderen Finanzierungsweg erfordern. Die von der Regierung geprüfte Windfall-Tax auf Extra-Gewinne der Energiekonzerne wurde von der Europäischen Union abgelehnt, weil die Regelung Kompetenzsache der Mitgliedstaaten bleibt.

Was auf dem Brenner besonders auffällt

Für Reisende, die mit dem Auto oder Wohnmobil nach Italien anreisen, ist die Situation auf der Brenner-Autobahn besonders relevant. Auf der A22 Brennero-Modena hat der sogenannte Supreme Diesel, eine Premium-Kraftstoff-Variante mit speziellen Additiven und höherer Cetanzahl, bereits die Grenze von 3 Euro pro Liter überschritten und wird mit 3,159 Euro pro Liter gehandelt. Auf der A15 Cisa-Autobahn liegt der Bedienungspreis für Diesel im Servito-Bereich bei 2,629 Euro pro Liter, für Benzin bei 2,499 Euro. Diese Werte gelten nur für einzelne Tankstellen, verdeutlichen aber die Spanne, in der die aktuellen Preise variieren.

Für die typische Anreise über den Brenner sind die Autobahn-Werte auf italienischer Seite ab der Grenze entsprechend hoch. Wer eine längere Fahrt plant, sollte die Preise vor Grenzübertritt prüfen und, wenn möglich, dort tanken. Innerhalb Italiens variieren die Preise deutlich zwischen Autobahn-Raststätten und regulären Tankstellen im Umland, mit einem Abstand von oft mehr als 10 Cent pro Liter zwischen der Autobahn-Tankstelle und einer regulären Stadt-Tankstelle nur wenige Kilometer entfernt.

Der Meccanismo delle accise mobili

Der italienische Finanzierungsmechanismus ist ein wesentlicher Teil der Debatte. Wie die Fach-Zeitschrift Quattroruote in ihrer Analyse zu den aktuellen Preisen dokumentiert, funktioniert das System der accise mobili so: Steigen die internationalen Ölpreise, steigen auch die Endpreise an der Zapfsäule und damit die Mehrwertsteuer-Einnahmen des Staates. Aus diesen Extra-Einnahmen (dem extragettito Iva) finanziert die Regierung eine temporäre Absenkung der Verbrauchsteuer auf Diesel und Benzin, um den Preisanstieg für die Verbraucher abzumildern. Aktuell beträgt die Verbrauchsteuer auf Diesel 0,650 Euro pro Liter inklusive Mehrwertsteuer, für Benzin 0,821 Euro.

Der Nachteil dieses Mechanismus ist seine kurzfristige Natur. Die aktuelle 17-Cent-Reduzierung ist immer nur für wenige Tage oder Wochen aktivierbar, weil die Regierung jedes Mal einen neuen Ministerialerlass benötigt und die Kosten sofort das laufende Budget belasten. Kritiker wie die Unione Nazionale Consumatori fordern deshalb eine strukturelle Reform, die Extra-Gewinne der Öl-Konzerne stärker abschöpft und die Steuerlast auf Kraftstoffe generell reduziert, statt sie nur temporär abzufedern.

Was Reisende und Autofahrer jetzt wissen sollten

Für die praktische Reiseplanung in den nächsten Wochen lassen sich einige klare Regeln ableiten. Wer nach dem 26. August mit dem Auto in Italien unterwegs ist, sollte davon ausgehen, dass die Preise entweder auf dem aktuellen Rekord-Niveau bleiben oder um bis zu 17 Cent pro Liter steigen, je nachdem, wie die Regierung heute entscheidet. Die Tankstellen auf der Autobahn sind fast durchgehend deutlich teurer als Tankstellen auf den regulären Landstraßen und in den Städten, mit typischen Preisdifferenzen von 8 bis 15 Cent pro Liter. Wer die Autobahn verlässt, um in einer Umlands-Tankstelle zu tanken, kann bei einem 50-Liter-Tank leicht 5 bis 7 Euro pro Betankung sparen.

Die Preise variieren stark je nach Region und Autobahn. Besonders teuer sind die Cisa-Autobahn zwischen Parma und La Spezia sowie die Brenner-Autobahn A22 zwischen Modena und Brennero. In den südlichen Regionen liegen die Straßenpreise für Diesel im Schnitt niedriger als im Norden, aber die genauen Werte hängen von der lokalen Wettbewerbssituation und den Tankstellenketten ab. Für die Reise-Kalkulation im Herbst empfiehlt sich eine Pufferung um mindestens 20 bis 25 Prozent gegenüber den Sommerdurchschnitten des Vorjahres, weil sich die Situation nach dem 27. August weiter verschärfen kann. Wer die Gesamt-Kosten für eine Autoreise nach Italien plant, sollte die aktuellen Preise über Tankstellen-Apps oder das Portal Osservaprezzi Carburanti des MIMIT tagesaktuell verfolgen.

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