Zum Inhalt springen

400 Hektar verbrannt, Ortsteil evakuiert: Der Friaul-Waldbrand nach Ferragosto

Redaktion
Der Friaul-Waldbrand nach Ferragosto: 400 Hektar verbrannt, ein Ortsteil evakuiert, italienische Canadair-Löschflugzeuge holten Wasser aus dem Kärntner Weißensee, slowenische Air Tractor unterstützten am Monte Amariana. (Symbolbild)

Der Friaul-Waldbrand nach Ferragosto: 400 Hektar verbrannt, ein Ortsteil evakuiert, italienische Canadair-Löschflugzeuge holten Wasser aus dem Kärntner Weißensee, slowenische Air Tractor unterstützten am Monte Amariana. (Symbolbild)

(Foto: © yelantsevv - adobe.stock.com)
Teilen:

Zwischen dem 15. und dem 18. August 2026 hat sich im norditalienischen Friaul ein Waldbrand entwickelt, der die Region Carnia in eine mehrtägige Ausnahmesituation gebracht hat. Rund 400 Hektar Wald sind auf dem Monte Amariana und seinen Nachbarbergen zwischen Amaro und Tolmezzo verbrannt, ein Ortsteil wurde vorsorglich evakuiert, italienische Löschflugzeuge nahmen tagelang Wasser aus dem österreichischen Weißensee in Kärnten auf, und slowenische Einsatzkräfte unterstützten mit eigenen Löschflugzeugen vom Typ Air Tractor. Nach mehreren Regenschauern in den vergangenen Tagen hat Bürgermeister Roberto Vicentini am gestrigen 18. August die Evakuierung aufgehoben. Die grenzüberschreitende Kooperation zwischen Italien, Österreich und Slowenien in dieser Krise verdient einen zweiten Blick.

Was in vier Tagen passiert ist

Der Brand am Monte Amariana begann bereits Anfang August, verstärkte sich aber am Nachmittag von Ferragosto, dem Samstag 15. August, dramatisch. Wie der Messaggero Veneto in seiner täglichen Chronologie dokumentiert, erreichte das Feuer gegen 17:30 Uhr eine besonders heftige Ausbreitung und griff auf den benachbarten Monte Amarianute im Gemeindegebiet von Tolmezzo über. Die Flammen näherten sich der Ortschaft Pissebus, einem Ortsteil der Gemeinde Tolmezzo, bis auf fünfzig Meter. In der Nacht auf Sonntag verfügte Bürgermeister Roberto Vicentini die vorsorgliche Evakuierung, insgesamt 25 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen und wurden in der Sporthalle „Falcone" von Tolmezzo untergebracht.

Parallel entwickelten sich weitere Brandherde: am Monte Palavierte bei Illegio, am Monte Dobis bei Fusea (mit Verdacht auf Brandstiftung), am Monte Festa bei Cavazzo Carnico, sowie in Chiusaforte, Malborghetto und weiteren Ortschaften. Wie die Nachrichtenagentur ANSA in ihrer nationalen Bilanz zum Krisen-Vertice zusammenfasst, waren zeitweise über hundert Einsatzkräfte im Feld, dazu mehrere Hubschrauber und bis zu zwei Löschflugzeuge vom Typ Canadair im Dauereinsatz.

Grenzüberschreitende Hilfe: Kärnten und Slowenien

Was die Krise über die üblichen norditalienischen Waldbrand-Berichte hinaus einzigartig machte, war die enge Kooperation mit den Nachbarländern. Weil die Wasseraufnahme in italienischen Bergseen wegen der Lage und der Topographie schwierig ist, flogen die Canadair-Piloten regelmäßig an den Kärntner Weißensee, um dort Wasser zu tanken. Wie die Landesalarm- und Warnzentrale Kärnten am 17. August bilanzierte, wurden bei bis dahin 31 Flügen insgesamt 168.000 Liter Löschwasser aus dem Weißensee entnommen. Landeshauptmann Daniel Fellner hat mehrfach die grenzüberschreitende Katastrophenhilfe als selbstverständlich bezeichnet und die Wasserentnahmen so lange zugesagt, wie das Friaul sie benötigt. Die Kooperation zwischen Italien und Österreich ist im Alpenraum institutionalisiert, aber ihre Sichtbarkeit im aktuellen Fall war ungewöhnlich hoch.

Zusätzlich unterstützten slowenische Air-Tractor-Löschflugzeuge die italienischen Einheiten am Monte Amariana. Slowenien und das Friaul teilen eine über 200 Kilometer lange Grenze, die Zusammenarbeit ist im Krisenfall etabliert, wurde aber in diesem Sommer besonders intensiv genutzt. In Kärnten selbst führte der Südwind zu spürbarer Rauchentwicklung im Klagenfurter Becken, im Gail- und Drautal sowie in Teilen der Südsteiermark. Die Kärntner Landesalarm- und Warnzentrale zählte rund 35 Notrufe wegen Rauchgeruchs, wobei die Luftqualität nach Angaben des Landes durchgehend überwacht wurde und keine gesundheitlichen Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung erforderlich waren.

Die Bilanz nach vier Tagen

Nach dem Stand vom gestrigen 18. August liegt die Bilanz des Brandes am Monte Amariana bei rund 400 Hektar verbrannter Wald- und Vegetationsfläche. Regionalpolitiker und Vertreter der lokalen Institutionen sprechen vom größten Waldbrand der jüngeren Region-Geschichte. In 18 friulanischen Gemeinden wurden gesundheitliche Warnungen wegen der Feinstaub-Belastung ausgesprochen, mit Empfehlungen, Fenster geschlossen zu halten und im Freien FFP2- oder FFP3-Masken zu tragen. In Tolmezzo kam es zeitweise zu braun gefärbtem Leitungswasser, weil Asche und Ruß in die Wassereinzugsgebiete gelangten.

Wie Il Piccolo in seiner Bilanz dokumentiert, führt die Regionalregierung parallel Ermittlungen zur Brandursache. Bei mehreren der Feuerherde wurden Spuren von Alkohol und Kraftstoff im Wald entdeckt, die auf vorsätzliche Brandstiftung hindeuten. Das Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt läuft.

Wie die Politik reagiert hat

Die politische Reaktion war schnell und hochrangig. Der Präsident der Region Friaul-Julisch Venetien, Massimiliano Fedriga, reiste gemeinsam mit Regional-Zivilschutzminister Riccardo Riccardi und Vize-Umweltministerin Vannia Gava aus Rom nach Tolmezzo zu einem Krisen-Vertice. Innenminister Matteo Piantedosi war telefonisch in ständigem Kontakt mit den regionalen Verantwortlichen. Wie die Regione Friuli Venezia Giulia offiziell mitteilte, wurde der regionale Ausnahmezustand ausgerufen und ein Sofort-Budget von 1,7 Millionen Euro für die betroffenen Gemeinden bereitgestellt. Die Protezione Civile Friuli Venezia Giulia koordinierte die Einsätze am Boden und in der Luft und veröffentlichte während der gesamten Krise mehrmals täglich Lage-Bulletins mit Details zu Brandherden, Wind, Löscheinsätzen und Straßensperrungen.

Am gestrigen 18. August hat Bürgermeister Vicentini schließlich die Ordinanza Nr. 16 unterzeichnet, mit der die Evakuierung von Pissebus offiziell aufgehoben wurde. Nach einer technischen Inspektion durch das Kommando der Feuerwehr Udine gelten die Brandherde als stabilisiert oder unter Kontrolle. Der Regen der letzten Tage, insgesamt rund zehn Millimeter über Amaro, hat die Situation entscheidend entspannt.

Was Reisende in der Region wissen sollten

Für Reisende, die den Sommer im Friaul verbringen, ist die Situation weitgehend entspannt. Die Straßen um Tolmezzo, insbesondere die SR 125 „del Sasso Tagliato" und die Zufahrt nach Illegio, sind teilweise noch gesperrt und werden im Lauf der Woche schrittweise wieder freigegeben. Die Feinstaub-Belastung geht laut Arpa Fvg deutlich zurück, die PM10-Werte liegen wieder unter den Höchstwerten der Vortage. Wer eine Wanderung in der Carnia oder im Gebiet um den Monte Amariana geplant hat, sollte die aktuellen Öffnungen der Wanderwege beim regionalen Zivilschutz erfragen, bevor er aufbricht.

Die aktuelle Krise steht im breiteren Kontext der italienischen Waldbrand-Saison 2026, die schon Anfang Sommer in Sizilien, Sardinien und Kalabrien begann und inzwischen auch die alpinen Zonen erreicht hat. Nach EFFIS-Auswertungen sind seit Jahresbeginn rund 11.500 Hektar in Italien verbrannt, mehr als im langjährigen Durchschnitt. Besonders betroffen bleiben die Brände auf Sizilien, die dieses Jahr eine ganze Reihe von Naturschutzgebieten zerstört haben. Der Fall Friaul ist die norditalienische Zuspitzung eines Musters, das den italienischen Sommer 2026 insgesamt geprägt hat.

Teilen:

Hat dir der Beitrag gefallen?

Dann hol dir jeden Sonntag die neuesten Beiträge über das Leben in Italien direkt ins Postfach.


Das könnte dich auch interessieren