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Führerschein ab 17 und Rechts-Überholen: Italien plant nächste Reform

Redaktion
Blick in eine süditalienische Straße im Sommer: Italiens Verkehrsministerium hat am 8. August 2026 ein Paket mit 15 Reform-Vorschlägen für den Codice della Strada in die öffentliche Konsultation gegeben.

Blick in eine süditalienische Straße im Sommer: Italiens Verkehrsministerium hat am 8. August 2026 ein Paket mit 15 Reform-Vorschlägen für den Codice della Strada in die öffentliche Konsultation gegeben.

(Foto: © Bastian Glumm)
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Italiens Verkehrsministerium plant den nächsten großen Wurf beim Codice della Strada. Am 8. August 2026 hat das Ministero delle Infrastrutture e dei Trasporti (MIT) 15 Reform-Vorschläge an über hundert Fach-Verbände verschickt und damit die öffentliche Konsultation gestartet. Die Palette der geplanten Änderungen reicht von der Führerschein-Absenkung auf 17 Jahre über gestaffelte Bußgelder bis zum Rechts-Überholen auf der Autobahn. Für deutschsprachige Reisende sind mehrere Punkte direkt relevant, allen voran eine neue Fünf-Jahres-Frist für den Einzug unbezahlter Bußgelder gegenüber ausländischen Fahrern.

Der zweite Reform-Schritt in zwei Jahren

Die Reform von 2024 hatte die Sanktionen bei Alkohol, Drogen und Handy am Steuer deutlich verschärft. Die aktuelle Konsultation setzt an anderer Stelle an: Ziel ist ein Regelwerk näher am Alltag der Autofahrer, aber mit Straßensicherheit als Priorität. Wer die Grundmechanismen des italienischen Verkehrs bereits kennt, wird viele der Neuerungen als Konsequenz einer schon länger laufenden Debatte um Ordnung und Improvisation auf italienischen Straßen einordnen können.

Bußgelder werden gestaffelt

Der auffälligste Punkt betrifft die Bußgelder. Wie Il Messaggero die geplanten Änderungen im Detail beschreibt, sollen Sanktionen für Geschwindigkeitsüberschreitungen künftig proportional zur Übertretung ausfallen: 10 Euro extra pro Stundenkilometer über dem Limit auf der Autobahn, 5 Euro auf langsameren Straßen. Die automatische Erhöhung der Bußgelder an die Inflation wird abgeschafft. 70 Prozent der Einnahmen sollen zweckgebunden in die Straßensicherheit fließen. Für Zweirad-Parkverstöße wird die Bußgeld-Höhe halbiert.

Auch das Verfahren selbst wird gestrafft. Die Zustellfrist für Fern-Feststellungen wie Blitzer-Verfahren verkürzt sich von 90 auf 30 Tage. Wer den Bescheid rechtzeitig, aber mit einem formalen Fehler bezahlt, soll eine reduzierte Sanktion erhalten statt die volle Zweitzustellung. Das italienische Punktesystem, das deutsche Fahrer ohnehin nicht direkt betrifft, bleibt unverändert.

Fünf Jahre Zeit für den Bußgeld-Einzug bei Ausländern

Für Autofahrer mit ausländischem Kennzeichen ist der wichtigste neue Punkt eine Fünf-Jahres-Frist: Innerhalb dieses Zeitraums soll die Vollstreckung unbezahlter Bußgelder immer dann möglich sein, wenn der Fahrer erneut in Italien mit dem betreffenden Fahrzeug angetroffen wird. Bislang war der Einzug gegenüber im Ausland registrierten Fahrern administrativ so kompliziert, dass viele Verfahren im Sande verliefen. Das ändert sich nun grundlegend.

In der Praxis heißt das: Wer 2026 ein italienisches Bußgeld nicht bezahlt und 2029 mit demselben Auto durch Italien fährt, riskiert eine Kontrolle mit direktem Einzug. Das betrifft besonders deutsche Reisende, die regelmäßig über den Brenner nach Süditalien fahren oder ein italienisches Zweitfahrzeug nutzen. Verschärft werden auch die Kontrollen bei Fahrzeugen ohne gültige Versicherung: Eine neue Task Force der Motorizzazione, des italienischen Straßenverkehrsamts, soll Datenbanken abgleichen und ein digitales Fahrverbot verhängen. Wer danach erneut ohne Versicherung erwischt wird, muss mit sofortiger Beschlagnahmung des Fahrzeugs rechnen.

Rechts-Überholen und Notfallspur auf der Autobahn

Zwei Vorschläge betreffen das Verhalten auf der Autobahn und werden vielen deutschen Fahrern vertraut vorkommen. Auf dreispurigen Autobahn-Abschnitten mit paralleler Verkehrsführung soll das Rechts-Überholen künftig legal werden. Motorräder dürfen im Stau die Standspur nutzen. Beides ist eine Anpassung an eine Praxis, die längst existiert.

Für Reisende, die zwischen Modena und Bologna oder zwischen Rom und Neapel unterwegs sind, ändern diese Regeln den Fahralltag spürbar. Für die Kosten-Seite bleibt hingegen alles beim Alten: Die Autobahnmaut ist Anfang 2026 gestiegen und wird in der Reform nicht angetastet.

Patente ab 17, Helmpflicht für Kurier-Bikes

Weitere Kernpunkte betreffen die Absenkung des Führerschein-Alters auf 17 Jahre für die Klasse B, was Italien nach einer EU-Richtlinie ohnehin bis Ende 2027 umsetzen muss. Für Inhaber der Klassen A1 und B1 wird das begleitete Fahren bereits ab 16 möglich, für schwere Fahrzeuge der Klassen C1 und C ab 17 mit einer Berufskraftfahrer-Qualifikation. Das italienische Ausbildungssystem für den Führerschein unterscheidet sich in mehreren Punkten vom deutschen und wird durch die Änderungen noch flexibler.

Für leistungsstarke Elektro-Bikes, wie sie viele Kuriere in italienischen Städten als sogenannte Super-Bici nutzen, wird eine Helmpflicht und ein Kennzeichen eingeführt. Kommunen werden verpflichtet, sich an die europäische Plattform für Behinderten-Parkausweise (CUDE) anzuschließen. Wer sich verweigert, verliert das Recht, Verstöße gegen Behindertenparkplätze und ZTL-Zonen automatisch per Kamera zu ahnden.

Was noch offen ist

Wichtig einzuordnen: Die 15 Punkte sind Vorschläge im Konsultationsverfahren, kein bereits verabschiedetes Gesetz. Wie La Presse den Ablauf skizziert, wertet das MIT zunächst die Rückmeldungen der Verbände aus und erarbeitet dann einen konkreten Gesetzentwurf. Anschließend folgt die Beratung im Parlament. Ein Zeitrahmen für das Inkrafttreten steht nicht fest, die EU-Vorgabe für die Führerschein-Absenkung läuft bis Ende 2027.

Bis dahin gelten die bisherigen Regeln des Codice della Strada unverändert weiter, inklusive der 2024er Verschärfungen bei Alkohol, Drogen und Handy-Nutzung am Steuer.

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