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Kann man in Italien sonntags einkaufen?

Bastian Glumm
Blick in einen Conad-Supermarkt in Kalabrien: Salumi, Frischtheke und Kimbo-Kaffee gehören zum italienischen Alltag – auch am Sonntag, wenn die Filiale geöffnet ist.

Blick in einen Conad-Supermarkt in Kalabrien: Salumi, Frischtheke und Kimbo-Kaffee gehören zum italienischen Alltag – auch am Sonntag, wenn die Filiale geöffnet ist.

(Foto: © Bastian Glumm)
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Die kurze Antwort vorweg: Ja, in Italien lässt sich sonntags einkaufen, in vielen Städten und Touristenorten sogar ohne Weiteres. Eine einheitliche Regel für das ganze Land gibt es allerdings nicht, denn seit der Liberalisierung der Öffnungszeiten im Dezember 2011 entscheidet jeder Betrieb und jede Handelskette selbst, wann geöffnet wird. Wer in Norditalien in Mailand oder Bozen einkaufen möchte, hat andere Erfahrungen als jemand, der in einem 300-Seelen-Dorf im Süden einen Sonntagsspaziergang mit Einkauf verbinden will.

Die Rechtslage: Der Salva-Italia-Dekret als Wendepunkt

Grundlage für die aktuelle Praxis ist das Gesetzesdekret 201/2011, besser bekannt als Salva-Italia-Dekret, das die damalige Regierung Monti Ende 2011 gegen eine drohende Staatsschuldenkrise erließ. Artikel 31 des Dekrets hebt die zuvor geltenden Beschränkungen für Ladenöffnungszeiten auf und stellt fest, dass Handel und Gastronomie ohne verpflichtende Sonntags- oder Feiertagsschließung und ohne halben Ruhetag pro Woche betrieben werden können. Läden dürfen zwischen 7 und 22 Uhr geöffnet haben, maximal 13 Stunden am Tag. Innerhalb dieses Rahmens kann jeder Betreiber seine Zeiten frei festlegen, was das Istituto Bruno Leoni in einem eigenen FAQ auch für den Handel selbst detailliert eingeordnet hat.

Die politische Debatte um diese Regelung reißt bis heute nicht ab. Erst im März 2026 haben die Gewerkschaften Filcams Cgil, Fisascat Cisl und Uiltucs die Kammer aufgefordert, Gesetzesvorschläge zur Wiedereinschränkung der Sonn- und Feiertagsöffnungen zeitnah zu behandeln. Der Handel beschäftigt in Italien mehr als drei Millionen Menschen, und die Frage von Ruhetagen ist entsprechend brisant. Konkrete Änderungen der Rechtslage sind aktuell aber nicht in Sicht, sodass Reisende sich weiter an den Ist-Zustand halten können.

Welche Supermärkte sonntags geöffnet sind

In der Praxis sind an einem normalen Sonntag außerhalb der Ferienzeiten und Feiertage die meisten großen Supermarkt-Ketten in Italien geöffnet, allerdings selten mit vollen Werktags-Öffnungszeiten. Häufig gilt ein reduzierter Sonntagsrhythmus, oft von 8 oder 9 Uhr bis in den frühen Abend, in kleineren Läden auch nur vormittags bis 13 Uhr. Ob und wie lange ein bestimmter Markt öffnet, hängt in der Regel vom einzelnen Standort ab, nicht von einer einheitlichen Konzernentscheidung.

Konkret bedeutet das: Conad, Carrefour, Coop, Esselunga, Lidl, Eurospin, Aldi, Pam und Despar sind sonntags weit verbreitet zu erreichen, wobei Coop-Genossenschaften und Esselunga in vielen Städten die längsten Sonntagsöffnungszeiten fahren. In Norditalien und in touristischen Zentren wie Mailand, Bologna, Verona, Florenz, Rom oder an den Küsten Ligurien und Kampanien ist die Dichte an sonntags geöffneten Märkten hoch. In kleineren Orten Süditaliens oder in Bergregionen finden Reisende dagegen oft nur einen einzigen Markt mit Vormittagsöffnung oder gar keinen. Eine Übersicht der wichtigsten Ketten und ihrer regionalen Verbreitung haben wir in unserem Beitrag zu den Supermärkten in Italien zusammengestellt.

Verpackte Salsiccia piccante und Salumi im Kühlregal eines kalabrischen Supermarkts: In vielen Filialen sind auch sonntags Wurstwaren, Käse und Antipasti verfügbar, allerdings oft mit geschlossener Frischtheke.

Verpackte Salsiccia piccante und Salumi im Kühlregal eines kalabrischen Supermarkts: In vielen Filialen sind auch sonntags Wurstwaren, Käse und Antipasti verfügbar, allerdings oft mit geschlossener Frischtheke.

(Foto: © Bastian Glumm)

Wo es sonntags schwieriger wird

Nicht überall in Italien folgt der Sonntagsverkauf demselben Muster. In vielen kleineren Orten und Bergdörfern bleiben Läden am Sonntag komplett geschlossen, weil sich der Betrieb schlicht nicht rechnet oder weil das Ladenpersonal auf freie Sonntage besteht. In Süditalien und auf Sizilien ist der Sonntag traditionell stärker als Familientag verankert, was sich auch in geringeren Öffnungszeiten des Handels widerspiegelt. Wer sich in der Mittagszeit einen Einkauf vorgenommen hat, sollte zusätzlich mit der klassischen italienischen Pausa pranzo rechnen, die kleinere Geschäfte häufig zwischen 13 und 16 Uhr in die Ruhephase versetzt.

Eine Besonderheit gilt in den autonomen Provinzen Bozen und Trient: Beide Provinzen haben aufgrund ihres Sonderstatuts eigene Zuständigkeiten für den Handel und pflegen einen restriktiveren Umgang mit Sonntagsöffnungen. Speziell in kleineren Südtiroler und Trentiner Ortschaften kann es passieren, dass am Sonntag praktisch alle Läden geschlossen bleiben. In der Landeshauptstadt Bozen ist die Lage etwas entspannter, dennoch ist ein Blick auf die Öffnungszeiten der einzelnen Kette vor Ort empfehlenswert.

Sonderfall Feiertage: Hier lohnt der Blick auf den Kalender

Deutlich strenger als der klassische Sonntag werden in Italien die Feiertage gehandhabt. Während der Sonntag nach Salva-Italia-Regel offen ist, wenn der Betreiber es so will, entscheiden viele Ketten an nationalen Feiertagen restriktiver. So schließt Esselunga an Ostern, dem 1. Mai und weiteren Hauptfeiertagen konzernweit alle Filialen, während Coop Alleanza 3.0 ebenfalls für diese Tage eine geschlossene Regelung „per scelta", also aus bewusster Entscheidung, kommuniziert. Conad dagegen hat für viele Feiertage außerordentliche Öffnungspläne, verweist aber auf den Store Locator, weil einzelne Standorte unterschiedlich handhaben.

Besonders relevant sind die 12 nationalen Feiertage in Italien: Neujahr, Dreikönigstag, Ostersonntag und -montag, Tag der Befreiung (25. April), Tag der Arbeit (1. Mai), Republikfest (2. Juni), Ferragosto (15. August), Allerheiligen (1. November), Mariä Empfängnis (8. Dezember), Weihnachten und Stephanstag (26. Dezember). Ergänzt werden diese um die jeweiligen lokalen Stadtpatrone. Dazu passt unser Überblick zu Feiertagen und Brückentagen in Italien 2026, der die praktischen Auswirkungen für Reisen und Alltag im Detail zeigt.

Praktische Tipps für Reisende

Wer in Italien Urlaub macht oder gerade auswandert, kommt mit ein paar Faustregeln durch die Sonntagsöffnungsfrage. In größeren Städten und an bekannten Ferienzielen findet sich in der Regel ein sonntags geöffneter Supermarkt in erreichbarer Nähe, häufig mit reduziertem Personal und kürzeren Zeiten. Frisches Obst, Gemüse, Brot und die Grundausstattung stehen bereit, die Frischtheken sind teilweise geschlossen. In kleineren Orten empfiehlt es sich, den Samstag als Haupt-Einkaufstag zu planen und den Sonntag mit einer Reserve im Kühlschrank zu bestreiten.

Wer plant, Landbewohner:innen zu werden, sollte für die neue Nachbarschaft ohnehin die Öffnungszeiten des lokalen Alimentari oder Minimarktes im Kopf haben, denn viele kleinere Betriebe pflegen ganz eigene Rhythmen. Auch die Fahrt zum nächstgelegenen Ipermercato außerhalb des Ortes kann sonntags eine gute Option sein, weil diese großen Formate häufig am Wochenende durchgehend geöffnet haben. Für zeitlich genaue Planung lohnt sich vor dem Losfahren ein Blick auf den Store Locator der jeweiligen Kette oder ein kurzer Anruf beim Zielmarkt, insbesondere in der Vor-Weihnachtszeit und vor Feiertagen.

Sonderfall Apotheken: Farmacia di turno

Wer sonntags in Italien nicht Lebensmittel, sondern Medikamente oder rezeptfreie Präparate braucht, sollte das italienische Notdienstsystem der Apotheken kennen. In jeder größeren Gemeinde gibt es an Sonn- und Feiertagen mindestens eine „farmacia di turno", also eine im Rotationsprinzip diensthabende Apotheke, die auch an sonst geschlossenen Tagen geöffnet ist. Angeschlagen wird der jeweilige Dienstplan an der Eingangstür jeder Apotheke, häufig auch auf der Website der Kommune oder in der örtlichen Tageszeitung. In größeren Städten wie Mailand, Rom oder Neapel gibt es zudem einzelne Apotheken mit durchgehender 24-Stunden-Öffnung. Wie das System im Detail funktioniert, was Farmacia von Parafarmacia unterscheidet und worauf Reisende bei rezeptpflichtigen Medikamenten achten sollten, haben wir in unserem eigenen Beitrag zur Apotheke in Italien beschrieben.

Was Reisende beim sonntäglichen Einkauf mitnehmen sollten

Zum Sonntagseinkauf in Italien gehört mehr als die reine Öffnungsfrage. Auch das Bezahlen mit Karte funktioniert an Sonntagen problemlos, seit dem 1. Januar 2026 sind alle italienischen Betriebe verpflichtet, elektronische Zahlungsterminals mit dem Kassensystem zu koppeln, was Kartenzahlung faktisch überall möglich macht. Tüten kosten in italienischen Supermärkten fast immer extra und müssen an der Kasse angesagt werden, mitgebrachte Stofftaschen sind selbstverständlich erlaubt. Bei frischem Obst und Gemüse ist der Einwegplastikbeutel weiter Standard, das eigene Abwiegen mit Aufkleber-Ausdruck übernimmt das Personal in manchen Ketten, in anderen die Kundschaft selbst.

Ob sonntags einkaufen in Italien am Ende einfach oder anstrengend wird, entscheidet also weniger das Gesetz als die Kombination aus Ort, Kette und Kalender. Und wer sich unsicher ist, ob der Wunschmarkt aufhat, sollte in Bergregionen und im Süden lieber einmal mehr auf die Website oder das Telefon schauen als vor verschlossener Tür zu stehen.

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