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Papasidero: Rafting und Höhlenkunst in Kalabrien

Redaktion
Papasidero in Kalabrien: Der historische Ortskern schmiegt sich an die grünen Hänge des Pollino und prägt mit seinen dicht stehenden Häusern und Kirchen das Bild des kleinen Bergdorfs.

Papasidero in Kalabrien: Der historische Ortskern schmiegt sich an die grünen Hänge des Pollino und prägt mit seinen dicht stehenden Häusern und Kirchen das Bild des kleinen Bergdorfs.

(Foto: © Copula - adobe.stock.com)
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Im Juli 2026 hat der Touring Club Italiano dem kalabrischen Bergort Papasidero die Bandiera Arancione verliehen, eine der begehrtesten Auszeichnungen für Kleinstädte im italienischen Landesinneren. Damit reiht sich Papasidero in einen exklusiven Kreis von aktuell 308 Orten in Italien ein, die für ihre Qualität in Gastfreundschaft, Umweltschutz, Kulturerbe und lokaler Identität ausgezeichnet werden. Für Reisende, die das Süditalien jenseits der Costa degli Dei kennenlernen möchten, öffnet sich damit ein bislang wenig bekannter Ort im Herzen des Pollino-Nationalparks. Was Papasidero besonders macht und warum die Auszeichnung mehr als eine Formalie ist, im Portrait.

Das Borgo an der Lao-Schlucht

Papasidero liegt in der Provinz Cosenza, im Nordwesten Kalabriens, auf einem Kalksteinfelsen 210 Meter über dem Meeresspiegel. Der Ort ist auf einem schmalen Grat über der Schlucht des Flusses Lao gebaut und eine der ältesten basilianischen Siedlungen der Region, gegründet von griechisch-orthodoxen Mönchen des Basilianer-Ordens im frühen Mittelalter. Das Ortsbild besteht aus engen Gassen, steilen Treppen und dicht aneinander gebauten Steinhäusern, die dem Fels folgen und aus der Ferne fast mit dem Berg verschmelzen. Das historische Zentrum wird beherrscht vom Sanktuarium der Madonna von Costantinopoli, einer Wallfahrtskirche, die teilweise in die Felswand hineingebaut wurde und heute noch ein bedeutender lokaler Wallfahrtsort ist.

Der Ort hat nur etwas mehr als 700 Einwohner und liegt in einer geologisch außergewöhnlichen Landschaft. Der Karbonatfels der Umgebung ist der Überrest eines antiken Ozeanbodens, mit einem Höhlensystem von über 600 Metern Ausdehnung, in dem sich unter anderem der Abisso del Bifurto befindet, mit 683 Metern eine der tiefsten Höhlen Süditaliens. Neben dem alten Ortskern gehört zum Gemeindegebiet auch die verlassene Siedlung Avena, deren Steinruinen von einem älteren, mittelalterlichen Papasidero zeugen, das im Laufe der Jahrhunderte aufgegeben wurde.

Grotta del Romito: paläolithische Kunst in Europa

Rund 14 Kilometer nördlich des Ortszentrums liegt die Grotta del Romito, eine Höhle, die 1961 zufällig entdeckt wurde und heute als eine der wichtigsten Fundstätten paläolithischer Kunst in Europa gilt. Wie das offizielle Kalabrien-Tourismusportal Calabria Straordinaria dokumentiert, findet sich hier eine Felsgravur eines Bos Primigenius, eines Ur-Rinds, die in die späte Altsteinzeit datiert wird und dem Fund den Beinamen „Picasso della Preistoria" eingebracht hat. Die stratigraphische Sequenz der Höhle dokumentiert die Präsenz des Homo sapiens vom Oberen Paläolithikum über das Mesolithikum bis ins Neolithikum, mit mehreren Einzel- und Mehrfachbestattungen, die einen seltenen Einblick in die spirituelle Welt der prähistorischen Populationen ermöglichen. Die Grabungen wurden bis 1970 vom Archäologen Paolo Graziosi geleitet und werden seit 2000 unter Prof. Fabio Martini fortgesetzt.

Die Höhle ist heute für Besucher zugänglich und wird durch ein kleines Museum am Eingang eingeführt, in dem die Fundstücke aus den Grabungen der 1960er Jahre und der Folgezeit ausgestellt sind. Wie die offizielle Website der Grotta del Romito dokumentiert, beträgt der Eintritt 4 Euro, mit saisonalen Öffnungszeiten von 10 bis 16 Uhr im Winter, 10 bis 18 Uhr im Frühjahr und 10 bis 20 Uhr im Sommer. Der Zugang ist auch mit einer geführten Tour möglich, die von den lokalen Rafting-Anbietern angeboten wird und Höhlenbesuch mit einer Rafting-Etappe auf dem Fluss Lao kombiniert.

Die wilde Berglandschaft rund um Papasidero: Dichte Wälder, steile Felsformationen und tiefe Täler prägen diesen Teil des Pollino-Nationalparks im Norden Kalabriens.

Die wilde Berglandschaft rund um Papasidero: Dichte Wälder, steile Felsformationen und tiefe Täler prägen diesen Teil des Pollino-Nationalparks im Norden Kalabriens.

(Foto: © Copula - adobe.stock.com)

Der Fluss Lao: Rafting im Herzen des Pollino

Der Fluss Lao entspringt in der Basilikata unter dem Namen Mercure und durchquert auf seinem Weg zum Tyrrhenischen Meer die Gemeinden Laino Borgo, Laino Castello, Papasidero und Orsomarso. Die Wasserführung, die Steilheit des Gefälles und die vielen Windungen durch die tiefen Kalksteinschluchten machen den Lao zu einem der beliebtesten Rafting-Reviere Süditaliens. Verschiedene lokale Anbieter wie Rafting Lao, River Tribe und Rafting Adventure Lao bieten geführte Touren für unterschiedliche Erfahrungsstufen an, von einfachen Familien-Etappen bis zu mehrtägigen Expeditionen mit Übernachtung im Zelt am Flussufer.

Die Riserva Naturale Valle del Fiume Lao wurde 1987 auf dem Gemeindegebiet von Papasidero gegründet und ist Teil des Pollino-Nationalparks, des größten Nationalparks Italiens. Neben Rafting und Kajak sind Kanufahren, Canyoning, River Trekking und geführte Höhlenbegehungen möglich. Für Reisende, die den Aktivurlaub in Kalabrien suchen, ist die Region zwischen April und Oktober eine der interessantesten Optionen Süditaliens, mit einer Kombination aus Wassererlebnis, Wanderpotenzial und archäologischen Sehenswürdigkeiten.

Pollino-Nationalpark und Wanderwege

Papasidero ist eines der wichtigsten Eingangstore in den Pollino-Nationalpark, der sich über die Regionen Kalabrien und Basilikata erstreckt und Italiens größtes Schutzgebiet ist. Wie die offizielle Website des Nationalparks dokumentiert, ist die Naturlandschaft rund um den Ort geprägt von tiefen Schluchten, dichten Laub- und Nadelwäldern, Karsthöhlen und felsigen Höhenlagen, in denen die typische Loricato-Kiefer (Pinus leucodermis, auch Panzerkiefer genannt) wächst, ein Nadelbaum, der bis zu 900 Jahre alt werden kann und das Symbol des Nationalparks ist. Der Sentiero del Monaco, ein Wanderweg direkt am Ortsrand, führt in die umliegende Hügellandschaft und ist für Familien und weniger geübte Wanderer geeignet.

Von Papasidero aus starten mehrere Trekking-Routen unterschiedlicher Länge und Schwierigkeit, darunter Rundwege im Naturreservat Valle del Lao und längere Tagestouren in Richtung Monte Pollino und Monte Serra del Prete. Der Nationalpark ist als UNESCO-Global-Geopark ausgewiesen und bietet einige der weniger überlaufenen, aber landschaftlich eindrucksvollsten Wandergebiete Süditaliens. Für Reisende, die nach Süditalien ziehen oder die Region über einen längeren Zeitraum kennenlernen möchten, ist Papasidero mit seinen kurzen Wegen zu Natur und Kultur ein interessanter Ausgangspunkt.

Kulinarik und Traditionen

Die lokale Küche folgt der bäuerlichen Tradition des kalabrischen Inlands, mit einfachen, aber charaktervollen Zutaten aus der eigenen Landwirtschaft. Zu den typischen Produkten der Gegend gehören fagioli bianchi, weiße Bohnen aus der Val di Lao, fichi secchi, getrocknete Feigen, hausgemachte Wurstwaren wie Soppressata und Capocollo sowie lokale Käse aus Schafs- und Ziegenmilch. Die Küche zeichnet sich durch eine deutliche Präsenz der Peperoncino, der scharfen kalabrischen Chili, aus, die in fast jedes herzhafte Gericht Eingang findet und in Papasidero traditionell in eigenen Konserven, Ölen und Salamis verarbeitet wird.

Zum kulturellen Kalender des Ortes gehört die Fucarazza dell'Immacolata, ein großes Freudenfeuer, das am Vorabend des 8. Dezember, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis, im Ortszentrum entzündet wird und eine der ältesten Volkstraditionen der Region darstellt. Weitere Feste im Jahreslauf umfassen das Patronatsfest der Madonna von Costantinopoli sowie mehrere sommerliche Sagra, bei denen die lokalen Spezialitäten in großen Töpfen zubereitet und mit den Nachbarn geteilt werden.

Praxis für Reisende

Die Anreise nach Papasidero erfolgt am einfachsten über die Autobahn A2 Salerno-Reggio Calabria mit Ausfahrt Mormanno. Von dort führt eine kurvige Landstraße durch die Berge nach Papasidero. Wer aus dem Küstenraum kommt, kann alternativ von Scalea oder Praia a Mare aus über Santa Domenica Talao anreisen. Die Fahrt von der Küste dauert je nach Ausgangspunkt zwischen 30 und 45 Minuten. Wie die offizielle Website der Kommune Papasidero zum Parco Archeologico dokumentiert, ist der Besuch der Grotta nur mit obligatorischer geführter Tour möglich. Zu den Übernachtungsmöglichkeiten im Ort gehören mehrere kleine Bed & Breakfast im historischen Zentrum, darunter das B&B Borgo Antico, das B&B Il Cuore del Borgo und das B&B Miralonga, sowie das B&B Lao in Flussnähe, das auch Öko-Bungalows anbietet.

Wie das offizielle Portal des Touring Club Italiano zu den Bandiere Arancioni dokumentiert, wird die Auszeichnung nach einer strengen Prüfung mit über 250 Bewertungsparametern vergeben, mit dem Ziel, kleine Orte im Landesinneren zu würdigen, die sich durch Qualität in Gastfreundschaft, Nachhaltigkeit und Bewahrung des kulturellen Erbes auszeichnen. Für Papasidero bedeutet die Aufnahme in dieses Netzwerk auch eine internationale Sichtbarkeit, die dem kleinen Ort mit seinen 700 Einwohnern neue Perspektiven eröffnet. Wer das andere Kalabrien jenseits der Costa degli Dei und Tropea sucht, findet in Papasidero einen der interessantesten Ausgangspunkte des kalabrischen Nordwestens.

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