Vivere in Italien

Schwere Unwetter in Italien: So funktioniert das Warnsystem Allerta Meteo

Bastian Glumm
Gewitter über der Altstadt von Florenz: Links ragt der Palazzo Vecchio in den Nachthimmel, rechts dominiert die Kuppel von Santa Maria del Fiore die Skyline, während sich über den Hügeln des Arno-Tals ein Blitz entlädt.

Gewitter über der Altstadt von Florenz: Links ragt der Palazzo Vecchio in den Nachthimmel, rechts dominiert die Kuppel von Santa Maria del Fiore die Skyline, während sich über den Hügeln des Arno-Tals ein Blitz entlädt.

(Foto: © Thomas - stock.adobe.com)
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Wer in Italien lebt, dort Urlaub macht oder einen längeren Aufenthalt plant, wird früher oder später mit dem Begriff allerta meteo konfrontiert. Auf Nachrichtenwebseiten, in sozialen Netzwerken und auf den Displays öffentlicher Verkehrsbetriebe taucht er auf, sobald schwere Unwetter drohen. Was genau dahintersteckt, wer die Warnungen herausgibt und was sie im Alltag konkret bedeuten, wissen viele Reisende und Auswanderer nicht. Dabei ist das System durchdacht, öffentlich zugänglich und im Ernstfall tatsächlich nützlich.

Wer gibt die Warnungen heraus?

Verantwortlich für das nationale Warnsystem ist die Protezione Civile, der italienische Zivilschutz. Die Behörde arbeitet mit einem Netz regionaler Funktionszentren zusammen, den sogenannten Centri Funzionali, die in jeder Region eigene Wetterdaten erheben und auswerten. Jeden Tag, in der Regel am frühen Nachmittag, wird auf Basis dieser Daten ein nationaler Lagebericht für die kommenden 24 bis 48 Stunden veröffentlicht. Er enthält die Risikoeinstufung für alle Regionen Italiens, für meteorologische Phänomene wie Starkregen oder Gewitter ebenso wie für hydrologische Folgerisiken: Hochwasser, Überschwemmungen und Erdrutsche.

Wichtig zu verstehen ist, dass beide Dimensionen separat bewertet werden. Eine Region kann gleichzeitig eine gelbe Gewitterwarnung und eine orangefarbene Hochwasserwarnung tragen, weil die meteorologische Situation und die hydrologische Reaktion des Bodens und der Flüsse unterschiedliche Risiken erzeugen. Das Warnsystem der Protezione Civile berücksichtigt also nicht nur, was vom Himmel fällt, sondern auch, was der Boden damit macht.

Die maßgebliche Quelle für aktuelle Warnungen ist die offizielle Website des Dipartimento della Protezione Civile, wo tagesaktuelle Warnkarten und die zugehörigen Lageberichte abrufbar sind. Wer eine europäische Gesamtübersicht bevorzugt, findet auf MeteoAlarm die aggregierten Warnungen aller 38 nationalen Wetterdienste Europas, darunter natürlich auch die italienischen.

Unwetter in Italien

Quelle: meteoalarm.org · stündlich aktualisiert · gerade aktualisiert

12 Orange38 Gelb
  • Emilia e Romagna

    bis 3. Juni, 13:59

    Gewitter · Wind · Starkregen

  • Friuli Venezia Giulia

    bis 3. Juni, 19:59

    Gewitter · Starkregen

  • Lombardia

    bis 3. Juni, 01:59

    Gewitter · Starkregen · Wind

  • Piemonte

    bis 3. Juni, 01:59

    Gewitter · Starkregen

  • Toscana

    bis 3. Juni, 01:59

    Gewitter · Starkregen

  • Veneto

    bis 3. Juni, 19:59

    Gewitter · Starkregen

14 weitere Regionen anzeigen
  • Abruzzo

    bis 3. Juni, 19:59

    Gewitter · Starkregen

  • Basilicata

    bis 4. Juni, 01:59

    Wind

  • Calabria

    bis 4. Juni, 01:59

    Wind

  • Campania

    bis 4. Juni, 01:59

    Gewitter · Wind

  • Lazio

    bis 3. Juni, 19:59

    Gewitter · Starkregen

  • Liguria

    bis 3. Juni, 01:59

    Wind · Starkregen · Gewitter

  • Marche

    bis 3. Juni, 19:59

    Starkregen · Gewitter

  • Molise

    bis 4. Juni, 01:59

    Gewitter · Starkregen · Wind

  • Puglia

    bis 4. Juni, 01:59

    Gewitter · Starkregen · Wind

  • Sardegna

    bis 4. Juni, 01:59

    Wind

  • Sicilia

    bis 4. Juni, 01:59

    Wind

  • Trentino Alto Adige

    bis 3. Juni, 07:59

    Starkregen · Gewitter

  • Umbria

    bis 3. Juni, 19:59

    Gewitter

  • Valle d'Aosta

    bis 3. Juni, 01:59

    Gewitter

Zuletzt abgelaufen

  • PugliaHitze
  • UmbriaStarkregen
  • SardegnaGewitter
  • SiciliaGewitter


Die vier Warnstufen

Das System arbeitet mit vier Farben, die aufsteigend nach Schwere sortiert sind und sich sowohl auf meteorologische als auch auf hydrologische Risiken beziehen können.

Grün bedeutet: kein relevantes Wetter zu erwarten, keine besonderen Maßnahmen notwendig.

Gelb steht für eine sogenannte vigilanza meteo, erhöhte Aufmerksamkeit bei lokalen, möglicherweise intensiven Phänomenen, die schwer vorherzusagen sind. Gelb heißt nicht, dass nichts passiert, sondern dass etwas passieren kann, ohne dass man genau weiß wo und wann. Wanderungen in steilem oder gewässernahem Gelände sollte man bei gelber Warnstufe bereits mit Bedacht planen.

Orange ist die allerta meteo im eigentlichen Sinne: moderate bis erhebliche Schwere, verbreitete Phänomene, auf die man vorbereitet sein soll. Behörden treffen in der Regel bereits präventive Maßnahmen, und die Bevölkerung wird aufgefordert, Risikobereiche zu meiden.

Rot ist die höchste Stufe, ausgerufen bei weit verbreiteten, sehr intensiven und anhaltenden Wetterphänomenen mit ernsthaften Gefahren für Leib und Leben. Bei roter Warnstufe schließen Schulen, Parks werden gesperrt, und die Behörden fordern die Bevölkerung ausdrücklich auf, zuhause zu bleiben.

Eine Besonderheit, die viele nicht kennen: Bei reinen Gewitterwarnungen ist Orange die höchstmögliche Stufe — Rot gibt es für Gewitter nicht. Der Grund ist pragmatisch: Sobald Gewitter so intensiv und flächendeckend sind, dass sie eine rote Warnstufe rechtfertigen würden, sind in der Regel bereits die hydrologischen Risiken so hoch, dass die rote Warnung über den Hochwasser- oder Erdrutschkanal ausgerufen wird. Die Gewitterwarnung wird damit faktisch von der hydrologischen Warnung absorbiert.

Ein Kanal in Verona nach starken Regenfällen: Das Wasser hat sich trüb-grünlich verfärbt und reicht fast bis an die Oberkante der Uferbefestigung. Ein typisches Bild in norditalienischen Städten, wenn die Zuflüsse der Po-Ebene nach Unwettern anschwellen.

Ein Kanal in Verona nach starken Regenfällen: Das Wasser hat sich trüb-grünlich verfärbt und reicht fast bis an die Oberkante der Uferbefestigung. Ein typisches Bild in norditalienischen Städten, wenn die Zuflüsse der Po-Ebene nach Unwettern anschwellen.

(Foto: © Bastian Glumm)

Welche Regionen sind besonders betroffen?

Italien ist geographisch so divers, dass sich Unwetterrisiken sehr ungleichmäßig verteilen und wer das Muster kennt, kann einschätzen, wann welche Region besonders im Fokus steht.

Norditalien ist das am häufigsten und intensivsten betroffene Gebiet. Die Regionen Lombardei, Venetien, Piemont und Ligurien erleben mehrmals pro Jahr schwere Unwetter mit Überschwemmungen und Erdrutschen. Geographisch liegt das daran, dass feuchte Luftmassen aus dem Mittelmeer auf die Alpen und den Apennin treffen und dort zu extremen Stauniederschlägen führen. Der Comer See und sein Umland zählen zu den klassischen Problempunkten: Der Fluss Breggia und die zahlreichen Zuflüsse des Sees können nach intensiven Niederschlägen in kurzer Zeit gefährlich anschwellen. Auch Mailand ist regelmäßig betroffen. Der Fluss Seveso tritt bei starken Regenfällen immer wieder über die Ufer, vor allem im nördlichen Stadtgebiet. In Ligurien sind kurze, aber extrem intensive Niederschläge charakteristisch: Die steilen Hänge des Apennins hinter Genua können gewaltige Wassermengen in kürzester Zeit in die Täler leiten, was Überflutungen erzeugt, die man von außen kaum für möglich halten würde. Die Emilia-Romagna schließlich ist seit der Flutkatastrophe im Mai 2023 — bei der Tausende ihr Zuhause verloren — auch in Deutschland als Risikoregion bekannt.

Mittelitalien ist weniger dauerhaft betroffen, kann aber im Herbst und Frühwinter von atlantischen Tiefdrucksystemen erfasst werden, die von Westen über das Tyrrhenische Meer ziehen und dabei erhebliche Regenmassen bringen. Die Toskana, Umbrien und Latium stehen dann regelmäßig unter gelber oder oranger Warnstufe. Das Tiefland der Toskana — darunter die Maremma und die Provinz Grosseto — ist besonders anfällig für schnell ansteigende Bäche, weil das flache Terrain das Wasser nur langsam ableitet. In der Provinz Lucca können bereits moderate Niederschläge Erdrutsche in den umliegenden Hügeln auslösen, weil der Boden nach langen Regenperioden wassergesättigt ist.

Der Süden und die Inseln werden zwar seltener von anhaltenden Unwetterlagen betroffen, dafür bisweilen von sehr heftigen und abrupten Ereignissen, die wenig Vorwarnzeit lassen. Sizilien und Kalabrien kennen extreme Starkregen, bei denen in einer Stunde so viel fällt wie sonst in einem ganzen Monat. Das Terrain ist steil, die Flüsse kurz und reißend — sogenannte fiumare, die einen Großteil des Jahres trocken liegen und nach starken Regenfällen urplötzlich zu gefährlichen Wasserläufen werden. Sardinien erlebt im Herbst immer wieder Sturmsysteme aus dem westlichen Mittelmeer, die sogenannte medicanes — mediterrane Wirbelstürme mit Hurrikan-ähnlicher Struktur — können dabei erhebliche Schäden anrichten. Für Neapel und die Campi Flegrei gilt: Die Kombination aus steilem Terrain, verdichteter Bebauung an den Hängen und einer in Teilen überalterten Infrastruktur macht Erdrutsche nach Starkregen zu einem ernsthaften Risiko. Die Insel Ischia hat das mit tragischen Folgen erlebt, im November 2022 kostete ein Erdrutsch im Ort Casamicciola Terme zwölf Menschen das Leben.

Was tun, wenn eine Warnung gilt?

Das Verhalten sollte sich nach der Warnstufe richten — und nach der konkreten Risikokategorie, für die sie gilt. Eine orange Hochwasserwarnung betrifft jemanden, der in einem Berghotel übernachtet, anders als jemanden, der mit dem Auto durch die Po-Ebene fährt.

Bei Gelb besteht kein akuter Handlungsbedarf, aber die Lage verdient Aufmerksamkeit. Es lohnt sich, Wetterberichte zu verfolgen, Wanderungen in exponiertem Terrain zu überdenken und Flussläufe oder bekannte Überschwemmungsgebiete im Blick zu behalten. Wer in einer Flussnähe übernachtet oder campt, sollte die Entwicklung der Warnstufen im Auge behalten.

Bei Orange sollte man Ausflugspläne aktiv überdenken. Flussnahe Bereiche, Unterführungen, Küstenabschnitte mit Sturmflutrisiko und bekannte Schluchtenwege sind dann zu meiden. Wer mit dem Auto unterwegs ist, muss mit Straßensperrungen, überfluteten Unterführungen und plötzlich anschwellenden Wasserläufen rechnen. Ein wichtiger Punkt: Niemals versuchen, eine überflutete Straße zu durchfahren — die Tiefe des Wassers und die Stärke der Strömung sind von außen nicht einzuschätzen, und selbst flaches Wasser kann ein Auto mitreißen.

Bei Rot fordern die Behörden die Bevölkerung ausdrücklich auf, zuhause zu bleiben und unnötige Fahrten zu unterlassen. Schulen schließen, Parks und öffentliche Grünanlagen werden gesperrt, Veranstaltungen abgesagt. Die Anweisungen des lokalen Zivilschutzes und der Gemeindeverwaltungen haben unbedingt Vorrang. Wer sich trotz roter Warnung draußen aufhält und in Not gerät, belastet Rettungskräfte, die an diesem Tag ohnehin an ihrer Kapazitätsgrenze arbeiten. Im Notfall gilt in Italien — wie überall in Europa — die 112, unter der man geortet und an die zuständige Leitstelle weitergeleitet wird.

Ein weiterer praktischer Hinweis: Tiefgaragen und Keller in bekannten Überschwemmungsgebieten sollten bei orangener oder roter Hochwasserwarnung rechtzeitig geräumt werden. Fahrzeuge, die in überfluteten Tiefgaragen stehen, sind in der Regel nicht durch die Kfz-Versicherung abgedeckt, wenn die Warnung vorher bekannt war.

Wo und wie man Warnungen verfolgt

Die verlässlichste Quelle bleibt die offizielle Warnkarte der Protezione Civile, die täglich aktualisiert wird und die Lage für die nächsten 24 bis 48 Stunden zeigt. Für regionale Details empfiehlt sich zusätzlich die Website des zuständigen regionalen Zivilschutzes, jede Region hat eine eigene Warnseite, zum Beispiel die Toskana unter regione.toscana.it/allertameteo.

Für den täglichen Gebrauch sind italienische Wetterdienste praktisch. 3bmeteo.com zeigt Warnlagen mit sehr guter regionaler Auflösung und ist in Italien weit verbreitet. Die App iLMeteo funktioniert gut für ortsbasierte Warnmeldungen und ist kostenlos. Wer einen europäischen Überblick bevorzugt, findet auf MeteoAlarm eine aggregierte Karte aller nationalen Warnungen.

Für Auswanderer und Langzeitbewohner empfiehlt sich außerdem, sich bei der eigenen Gemeindeverwaltung — dem comune — für Benachrichtigungen zu registrieren. Viele Gemeinden informieren ihre Einwohner inzwischen per WhatsApp-Gruppe oder über kommunale Apps, wenn Warnungen für das Gemeindegebiet ausgerufen werden. Das ist oft der schnellste und direkteste Kanal und man erfährt auch, wenn lokal Schulen geschlossen werden oder bestimmte Straßen gesperrt sind.

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