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Tal der Tempel in Agrigent: Siziliens antikes Welterbe

Gastbeitrag
Der Concordia-Tempel im Tal der Tempel zählt zu den besterhaltenen griechischen Tempeln der Welt und ist das Wahrzeichen der antiken Stätte bei Agrigent auf Sizilien.

Der Concordia-Tempel im Tal der Tempel zählt zu den besterhaltenen griechischen Tempeln der Welt und ist das Wahrzeichen der antiken Stätte bei Agrigent auf Sizilien.

(Foto: © Rosario Lo Vacco)
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Das Tal der Tempel in Agrigent auf Sizilien gehört zu den eindrucksvollsten archäologischen Stätten Europas. Trotz seines Namens handelt es sich nicht um ein Tal im eigentlichen Sinn, sondern um ein weitläufiges Gelände auf einem Höhenzug südlich der heutigen Stadt Agrigent. Dort befinden sich die Überreste der antiken Stadt Akragas, einer griechischen Kolonie, die im 6. Jahrhundert v. Chr. gegründet wurde und zur Blütezeit zu den mächtigsten Städten der Magna Graecia zählte. Seit 1997 ist das Gelände UNESCO-Weltkulturerbe.

Wer das Tal der Tempel zum ersten Mal besucht, ist überrascht von der Dimension. Über 1.300 Hektar erstreckt sich das Gelände, mit Tempeln, Stadtmauern, Gräberfeldern, Heiligtümern und Wohngebieten. Es ist eine der größten archäologischen Stätten der Welt und gibt einen Eindruck davon, wie reich und einflussreich die griechische Welt außerhalb Griechenlands im Mittelmeerraum einst war.

Akragas, eine Stadt der griechischen Antike

In der Antike war Akragas eine der wichtigsten Städte der Magna Graecia, jenes Kulturraums in Süditalien und auf Sizilien, der stark von der griechischen Welt geprägt war. Die Stadt war reich, mächtig und für ihre prächtigen Bauwerke bekannt. Der Dichter Pindar nannte sie "die schönste Stadt der Sterblichen". Zur Blütezeit lebten hier vermutlich über 200.000 Menschen, was Akragas nach Syrakus zur zweitgrößten griechischen Stadt Siziliens machte.

Die großen dorischen Tempel, die auf dem Höhenzug errichtet wurden, dienten religiösen Zwecken, waren aber zugleich Ausdruck von Wohlstand, politischer Macht und kulturellem Selbstbewusstsein. 406 v. Chr. wurde Akragas von den Karthagern zerstört und erholte sich von diesem Schlag nie vollständig. Was blieb, sind die Tempel selbst, von denen einige in einem erstaunlich guten Zustand erhalten sind.

Die wichtigsten Tempel im Überblick

Das berühmteste Bauwerk im Tal der Tempel ist der Concordiatempel. Er gilt als einer der besterhaltenen griechischen Tempel weltweit. Seine nahezu vollständig erhaltene Säulenreihe vermittelt noch heute einen eindrucksvollen Eindruck von der dorischen Architektur des 5. Jahrhunderts v. Chr. Erhalten ist er vor allem deshalb, weil er im 6. Jahrhundert n. Chr. zu einer christlichen Basilika umgewandelt wurde, was ihn vor dem Verfall bewahrte.

Ebenfalls bedeutend ist der Heratempel, der auf einer Anhöhe am östlichen Rand des Geländes steht und von 34 ursprünglichen Säulen 25 bewahrt. Er wurde um 450 v. Chr. errichtet und bietet den schönsten Panoramablick auf das gesamte Tal. Der Heraklestempel ist der älteste der Anlage und stammt aus dem späten 6. Jahrhundert v. Chr.

Der beeindruckende Concordia-Tempel im Tal der Tempel zeigt die monumentale Architektur der griechischen Antike und gehört zu den Höhepunkten jeder Sizilien-Reise.

Der beeindruckende Concordia-Tempel im Tal der Tempel zeigt die monumentale Architektur der griechischen Antike und gehört zu den Höhepunkten jeder Sizilien-Reise.

(Foto: © Rosario Lo Vacco)

Der Tempel des olympischen Zeus war einst das größte Bauwerk seiner Art überhaupt. Mit 113 Metern Länge, 56 Metern Breite und Säulen von 20 Metern Höhe sollte er der mächtigste dorische Tempel der griechischen Welt werden. Vollendet wurde er nicht, die karthagische Zerstörung von 406 v. Chr. kam dazwischen. Heute ist von ihm nur noch ein gewaltiges Trümmerfeld erhalten, das aber genug Substanz hat, um die einstige Größe erahnen zu lassen.

Landschaft und Lage

Was das Tal der Tempel über die reine archäologische Bedeutung hinaushebt, ist seine Landschaft. Zwischen Olivenbäumen, Mandelhainen und mediterraner Vegetation erheben sich die Tempel aus hellem Kalkstein, der im Sonnenlicht golden schimmert. Im Februar und März blühen die Mandelbäume und tauchen die Tempel in zartes Weiß und Rosa, ein Anblick, für den allein viele Besucher anreisen.

Das berühmteste Naturwunder der Region, die Scala dei Turchi, liegt nur etwa 15 Kilometer westlich. Wer das Tal der Tempel besucht, sollte sich für die weiße Mergelklippe am Meer einen zweiten Tag einplanen.

Die eindrucksvollen Säulen des Tempels der Hera im Tal der Tempel vermitteln bis heute einen Eindruck von der Größe der antiken griechischen Baukunst auf Sizilien.

Die eindrucksvollen Säulen des Tempels der Hera im Tal der Tempel vermitteln bis heute einen Eindruck von der Größe der antiken griechischen Baukunst auf Sizilien.

(Foto: © Rosario Lo Vacco)

Die beste Reisezeit

Frühling und Herbst sind die besten Reisezeiten, im Sommer kann es sehr heiß werden. Im Februar und März blühen die Mandelbäume, dazu gibt es traditionell das Mandelblütenfest Sagra del Mandorlo in Fiore. Im Mai, Juni, September und Oktober sind Temperaturen und Besucherzahlen angenehm. Juli und August bringen Hitze und volle Anlagen, dafür kann man in dieser Zeit die abendliche Öffnung nutzen, wenn die Tempel beleuchtet werden und die Atmosphäre eine ganz besondere ist.

Ein Ort, an dem Geschichte greifbar wird

Das Tal der Tempel ist mehr als eine Ansammlung antiker Ruinen. Es ist ein Ort, an dem die griechische Antike in ihrer ganzen Dimension erlebbar wird, eingebettet in eine Landschaft, die diesen Eindruck noch verstärkt. Wer Sizilien besucht, sollte sich diesen Ort nicht entgehen lassen. Die wenigen Stunden, die man im Tal der Tempel verbringt, lassen das antike Akragas auf eine Weise lebendig werden, wie es nur wenige Orte im Mittelmeerraum vermögen.

Wir danken Rosario Lo Vacco für die Fotos und die Infos!

Rosario Lo Vacco ist Sprachdozent aus Solingen. Seine familiären Wurzeln sind in Licata auf Sizilien.

Rosario Lo Vacco ist Sprachdozent aus Solingen. Seine familiären Wurzeln sind in Licata auf Sizilien.

(Foto: © Rosario Lo Vacco)


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