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Italien senkt Diesel-Steuer bis 6. August um 17 Cent pro Liter

Redaktion
Diesel-Steuer in Italien: An Autobahntankstellen wie dieser Agip-Station lag der Diesel-Preis Ende Juli 2026 bei über 2,25 Euro pro Liter. Vom 30. Juli bis 6. August senkt die Regierung Meloni die Steuer um 17 Cent, ein Rabatt ausschließlich für Diesel.

Diesel-Steuer in Italien: An Autobahntankstellen wie dieser Agip-Station lag der Diesel-Preis Ende Juli 2026 bei über 2,25 Euro pro Liter. Vom 30. Juli bis 6. August senkt die Regierung Meloni die Steuer um 17 Cent, ein Rabatt ausschließlich für Diesel.

(Foto: © Yuliia - adobe.stock.com)
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Die italienische Regierung hat am 27. Juli 2026 auf die neuen Rekordpreise an den italienischen Zapfsäulen mit einem befristeten Diesel-Rabatt reagiert. Das Kabinett Meloni beschloss eine achttägige Senkung der Accise auf Diesel um 17 Cent pro Liter, gültig vom 30. Juli bis zum 6. August 2026. Das entsprechende Gesetzesdekret ist bereits am 27. Juli in der Gazzetta Ufficiale erschienen und am 28. Juli in Kraft getreten. Auf einen parallelen Nachlass für Benzin hat die Regierung verzichtet, obwohl der Benzinpreis an den italienischen Autobahnen aktuell bei rund 2,07 Euro pro Liter liegt, dem höchsten Wert seit Beginn der Nahost-Krise im Februar. Der Diesel-Rabatt hat ein Finanzvolumen von etwa 125 Millionen Euro und ist kalkuliert als kurzfristige Antwort auf die anhaltende Preissteigerung, während die Regierung für den 4. August eine erneute Kabinettssitzung angesetzt hat, um über die Fortsetzung zu beraten.

Was das neue Dekret vom 27. Juli konkret vorsieht

Das Gesetzesdekret 133/2026, vom Ministerrat am 27. Juli auf Vorschlag von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und den Ministern Giorgetti, Urso, Pichetto Fratin und Salvini beschlossen, ist im Kern eine gezielte Accise-Senkung auf Diesel als Kraftstoff. Wie Canaledieci mit Bezug auf die Erklärungen von Wirtschaftsminister Giorgetti festhält, wird der Verbrauchsteuersatz für Diesel als Kraftstoff für den achttägigen Zeitraum von 672,90 auf 532,90 Euro pro 1.000 Liter herabgesetzt, also um 140 Euro netto. Zusammen mit der Mehrwertsteuer ergibt sich ein Nachlass von 17 Cent pro Liter für den Endverbraucher an der Zapfsäule. Für die Tage 28. und 29. Juli soll eine analoge Absenkung über ein separates Ministerdekret erfolgen.

Die Finanzierung der Maßnahme setzt sich aus mehreren Quellen zusammen. Ein Teil kommt aus den sogenannten „accise mobili", also den Verbrauchsteuer-Mehreinnahmen des Vormonats, ein weiterer aus Sanktionen der italienischen Wettbewerbsbehörde und ein dritter aus dem Fondo per gli interventi strutturali di politica economica. Zusätzlich enthält das Dekret die Verlängerung des Steuergutschriftbonus für den Autotransportsektor bis Juli 2026 und eine 20-Prozent-Kreditsteuer für landwirtschaftliche Betriebe. Ein separates Kapitel des Dekrets stellt bis zu 100,5 Millionen Euro für die Fortsetzung der ILVA-Stahlwerke unter außerordentlicher Verwaltung bereit, was mit der Kraftstoff-Maßnahme selbst inhaltlich nichts zu tun hat.

Warum nur Diesel und warum nur für acht Tage

Die Entscheidung, den Rabatt ausschließlich auf Diesel zu beschränken, hat der italienische Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti nach dem Ministerrat mit dem begrenzten finanziellen Spielraum begründet. Wie Sky TG24 die Erklärungen des Ministers wiedergibt, stellt der Diesel-Rabatt eine Prioritäten-Entscheidung zugunsten des Warentransports und der landwirtschaftlichen Betriebe dar. Diese beiden Sektoren fahren überwiegend Diesel, ihre Kostensteigerung schlägt am schnellsten in die Verbraucherpreise durch. Ein paralleler Benzin-Rabatt hätte den finanziellen Spielraum überstiegen und wäre nach Ansicht der Regierung „ohne strukturelle Wirkung" verpufft.

Auch die Befristung auf acht Tage ist finanziell erklärbar. Die Gesamtkosten der Maßnahme belaufen sich auf rund 125 Millionen Euro und schöpfen die verfügbaren Ressourcen weitgehend aus. Der zuständige Minister für Unternehmen, Adolfo Urso, verwies in einem Interview mit dem Corriere della Sera darauf, dass Italien anders als bei früheren Notmaßnahmen den Haushaltsspielraum der EU nicht nutzen könne. „In keinem europäischen Land wurden neue Notmaßnahmen ergriffen, obwohl im Ausland die Kraftstoffpreise stärker gestiegen sind als in Italien", so Urso. Ministerpräsidentin Meloni räumte in einem von der ANSA dokumentierten Social-Media-Post am Abend des 27. Juli offen ein: „Wir wissen, dass es das Problem nicht löst, aber es ist eine zeitnahe und verantwortungsvolle Antwort, gegeben die knappen Ressourcen und die sich weiter entwickelnde internationale Lage." Die Diesel-Senkung fällt zeitlich mit der höheren Autobahnmaut seit Januar 2026 und den laufenden Fahrkosten zusammen, die die Gesamtbelastung für Autofahrer in Italien 2026 spürbar erhöht haben.

Die aktuellen Preise an italienischen Zapfsäulen

Die konkrete Ausgangslage der Regierungsentscheidung lässt sich an den aktuellen Preisdaten des italienischen Wirtschaftsministeriums ablesen. Nach den Zahlen des Osservaprezzi des MIMIT vom 28. Juli 2026 lagen die Durchschnittspreise im Selbstbedienungsmodus bei 1,982 Euro pro Liter Benzin und 2,185 Euro pro Liter Diesel entlang des nationalen Straßennetzes. An den italienischen Autobahnen waren es 2,071 Euro pro Liter Benzin und 2,255 Euro pro Liter Diesel. In einzelnen Regionen und Zeiten wurden für Diesel an der Autobahn Werte bis zu 2,50 Euro pro Liter dokumentiert. Der Benzin-Autobahnpreis von 2,071 Euro markiert nach Angaben des Verbraucherverbands UNC den höchsten Wert seit dem Ausbruch der Nahost-Krise am 28. Februar 2026 und stellt zugleich den höchsten Preis seit dem 29. September 2023 dar.

Der Diesel-Rabatt von 17 Cent bringt den Durchschnittspreis für Diesel zwischen dem 30. Juli und dem 6. August rechnerisch auf rund 2,02 Euro pro Liter an der Straßentankstelle und rund 2,09 Euro an der Autobahntankstelle. Für eine 60-Liter-Tankfüllung Diesel bedeutet das eine Ersparnis von etwa zehn Euro, was für Berufskraftfahrer, Handwerker und Familien mit größeren Diesel-Fahrzeugen spürbar ist, aber die Preissteigerung der vergangenen Wochen nur teilweise ausgleicht. Für Benzin-Fahrer, darunter der überwiegende Teil der italienischen und deutschen Privatkunden, bleibt der Rekordpreis dagegen ohne Nachlass bestehen. In Kombination mit den Mautkosten und den ZTL-Bußgeldern in Städten wie Mailand und Rom summiert sich die reale Reisekostenrechnung für Autofahrer 2026 zu einem spürbaren Posten.

Kritik der Verbraucherverbände: „Sie haben eine Maus geboren"

Die politische Reaktion auf das Dekret ist gemischt. Der Präsident der Unione Nazionale Consumatori (UNC), Massimiliano Dona, sprach nach der Vorstellung des Dekrets von einem „völlig unzureichenden" Rabatt. „Sie haben eine Maus geboren", zitierte ihn Sky TG24 sinngemäß mit einem geflügelten italienischen Ausdruck für ein politisch überschätztes Ergebnis. Besonders scharf kritisierte Dona den vollständigen Verzicht auf einen Benzin-Rabatt. „Wenn es richtig war, den Nachlass zwischen Benzin und Diesel zu differenzieren, wie wir seit März gefordert haben, ist es zutiefst unverständlich, dass die Regierung Benzin überhaupt nicht rabattiert, obwohl es an der Autobahn heute für 2,071 Euro verkauft wird."

Positiv aufgenommen wurde das Dekret dagegen von den Verbänden des Bus- und Autotransportsektors. Wie der Confcommercio-Verband AN.BTI in einer Stellungnahme mitteilt, ist die kombinierte Maßnahme aus Diesel-Rabatt und Verlängerung des Steuergutschriftbonus ein „bedeutsames Ergebnis" für die touristischen Busbetreiber, die vom Anstieg der Kraftstoffpreise besonders belastet sind. Auch die landwirtschaftlichen Verbände zeigten sich zufrieden mit der 20-Prozent-Kreditsteuer, die auf ihre spezifische Situation zugeschnitten ist. Die Regierung ihrerseits hat mehrfach betont, dass die kurze Laufzeit des Rabatts kein Ende der Debatte darstellt, sondern der Auftakt zu einer intensiveren Kabinettsdiskussion am 4. August ist.

Was der 4. August bringen könnte

Der Ministerrat am 4. August 2026 ist der letzte vor der italienischen Sommerpause und wird nach den bisherigen Signalen aus der Regierung mehrere Optionen prüfen. Zum einen ist eine Verlängerung des Diesel-Rabatts über den 6. August hinaus möglich, sofern die internationale Preisentwicklung anhält und der Haushaltsspielraum es zulässt. Zum anderen wird eine Ausweitung auf Benzin diskutiert, allerdings unter der Prämisse zusätzlicher Deckungsquellen aus dem sogenannten „extragettito IVA" des Monats Juli. Nach den Informationen von Il Sussidiario zu den Regierungsplänen ist auch ein Familien-Bonus von 80 bis 100 Euro über die Sozialkarte „Carta Dedicata a te" für einkommensschwache Haushalte in Prüfung, während die ursprünglich diskutierte Erhöhung der Tabaksteuer als Finanzierungsquelle vom Tisch ist.

Auf der Kritik-Seite hat der Abgeordnete Angelo Bonelli von Alleanza Verdi Sinistra scharf gegen die Regierungsstrategie polemisiert. Wie L'Espresso das Bonelli-Zitat wiedergibt, hat die Regierung seit dem 16. März 2026 bereits über 2,2 Milliarden Euro für den Accise-Rabatt ausgegeben, ohne einen Euro von den Extraprofitten der Ölkonzerne einzufordern. Die Regierung wiederum steht unter dem Druck, sowohl die staatliche Haushaltsdisziplin einzuhalten als auch die spürbaren Belastungen für Familien und Betriebe zu adressieren. Wirtschaftsminister Giorgetti hat auf der Pressekonferenz nach dem Ministerrat betont, dass „die Kriege eine Preisdynamik beim Diesel erzeugt haben, die es beim Benzin nicht gibt", was den asymmetrischen Ansatz aus Sicht der Regierung erklärt.

Was der Diesel-Rabatt für deutsche Reisende bedeutet

Für Reisende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die aktuelle Regelung von begrenzter, aber nicht unbedeutender Relevanz. Wer in der laufenden Sommer-Saison eine Italien-Reise mit dem eigenen Auto plant und mit einem Diesel-Fahrzeug unterwegs ist, profitiert für acht Tage von dem 17-Cent-Rabatt. An einer Tankfüllung von 60 Litern sind das rund zehn Euro Ersparnis, an einer Tankfüllung von 80 Litern für ein größeres Fahrzeug rund 14 Euro. Wer im Zeitraum vom 30. Juli bis 6. August 2026 in Italien tankt und dabei mehrere Tankfüllungen benötigt, kann in der Summe eine spürbare Erleichterung erreichen.

Für den größeren Teil der deutschen Reisenden mit Benzin-Fahrzeugen bleibt die Situation dagegen unverändert. Der Benzinpreis liegt an den italienischen Autobahnen weiter über 2 Euro pro Liter, und ein staatlicher Nachlass ist bis auf Weiteres nicht in Sicht. Wer die Rechnung senken möchte, tankt idealerweise nicht an den Autobahntankstellen, sondern kurz nach der Ausfahrt in Ortschaften der Umgebung, wo neben den klassischen Tankstellenketten wie ENI und Q8 auch die günstigeren „Pompe bianche" eine Rolle spielen und die Preise regelmäßig zwei bis zehn Cent pro Liter niedriger liegen. Die Kombination aus hohem Kraftstoffpreis, dichter Verkehrsüberwachung durch das neue Autovelox-Dekret und wachsender ZTL-Ausbreitung macht die Kosten-Kalkulation für eine Italien-Reise 2026 komplexer als in den Vorjahren.

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