Der italienische Energiekonzern Eni hat am 25. September 2026 einen Preisdeckel für Kraftstoffe angekündigt. Ab Montag, dem 28. September, kostet Diesel an Enilive-Tankstellen höchstens 2,19 Euro pro Liter, Benzin 1,99 Euro. Die Regelung gilt zunächst für 30 Tage. Eine Verlängerung bis Jahresende ist möglich, abhängig von der Marktentwicklung und der Versorgungslage. Der Schritt fällt mit dem Auslaufen der staatlichen Diesel-Preisbremse zusammen, deren Steuernachlass zeitgleich halbiert wird und Anfang Oktober endgültig ausläuft.
Was Eni konkret ankündigt
Der Preisdeckel gilt an den Tankstellen der Konzerntochter Enilive, die im Januar 2024 aus der früheren Marke Agip hervorgegangen ist. Zur Enilive-Kette gehören nach eigenen Angaben mehr als 4.000 Tankstellen in Italien und über 5.000 in Europa. Erkennbar sind die Stationen am roten Enilive-Logo, zu finden sind sie über den Station Finder auf der Enilive-Website und der App. Nicht betroffen sind Tankstellen anderer Ketten wie Q8, IP, Tamoil oder freie Anbieter.
Der Deckel greift gleichermaßen für Bedienung und Selbstbedienung (servito und self service), sofern die Marktpreise sonst höher lägen. Eine Kopplung an die aktuell noch bestehende staatliche Steuersenkung auf Kraftstoffe stellt Eni explizit her.
Wie hoch die Ersparnis ausfällt
Die Ersparnis liegt bei rund 17 Cent pro Liter gegenüber den aktuellen Marktpreisen. Nach Daten der Preisbeobachtungsstelle Osservatorio prezzi carburanti des italienischen Wirtschaftsministeriums MIMIT kostet Diesel in Selbstbedienung im nationalen Straßendurchschnitt derzeit 2,338 Euro pro Liter, auf Autobahnen 2,421 Euro. Für Benzin liegen die Werte im Straßendurchschnitt bei 2,154 Euro und auf Autobahnen bei 2,247 Euro.
Die Verbraucherorganisation Codacons rechnet die Ersparnis auf eine volle Tankfüllung um: Für eine Diesel-Tankfüllung bedeutet der Preisdeckel demnach rund 10,4 Euro weniger, für eine Benzin-Tankfüllung rund 11,2 Euro. Die tatsächliche Ersparnis hängt allerdings davon ab, ob der Marktpreis am jeweiligen Tag oberhalb des Deckels liegt und ob eine Enilive-Tankstelle in der Nähe erreichbar ist.
Der zeitliche Kontext
Eni verknüpft den Preisdeckel bewusst mit der Kürzung der staatlichen Steuersenkung auf Kraftstoffe. Nach dem Regierungsdekret vom 16. September 2026 wird der bislang gewährte Steuernachlass auf Diesel ab dem 28. September halbiert und fällt bis zum 5. Oktober von 12,2 auf 6,1 Cent pro Liter. Damit verteuert sich Diesel im Selbstbedienungspreis rechnerisch um mehrere Cent, sofern nicht andere Faktoren gegensteuern.
Eni verweist in seiner Ankündigung auf die Kampagne Riparti con Eni aus dem Jahr 2012, bei der der Konzern in der damaligen Wirtschaftskrise Rabatte an Wochenenden gewährt hatte. Für den aktuellen Preisdeckel hatten in den vergangenen Wochen sowohl der Unternehmerverband Confimprenditori als auch der Ölbranchenverband Federpetroli plädiert.
Politische Reaktionen
Die Regierung Meloni begrüßt den Schritt in einer offiziellen Mitteilung aus dem Palazzo Chigi als „lobenswerte Aufmerksamkeit für Italien", die in die gewünschte Richtung einer Preisdämpfung wirke. Vizepremier und Außenminister Antonio Tajani bezeichnet die Initiative als Beispiel für ein funktionierendes Zusammenspiel von Institutionen und großen nationalen Unternehmen.
Aus der Opposition kommt Kritik am Zeitpunkt und am Umfang. Der PD-Senator Francesco Boccia weist darauf hin, dass Eni unter staatlicher Kontrolle stehe und deshalb kein Wohltäter sei. Angelo Bonelli von der Grünen Linken (AVS) sowie CGIL-Generalsekretär Maurizio Landini fordern statt einer befristeten Aktion eine dauerhafte Absenkung der Steuern auf Kraftstoffe.




