Rund 458.000 Geschäftslokale werden in Italien bis Ende 2026 leer stehen, das sind 17 Prozent des gesamten Bestands an Gewerberäumen des Einzelhandels. Das ergibt eine Untersuchung von Confcommercio und dem Istituto Tagliacarne, die am 23. Oktober veröffentlicht wurde. Für die Volkswirtschaft bedeutet das kumulierte Mietausfälle von 53 Milliarden Euro zwischen 2012 und 2023 und einen jährlichen Verlust von 4,4 Milliarden Euro, umgerechnet 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Besonders betroffen sind kleinere Gemeinden und strukturschwache Regionen.
Mezzogiorno mit höchster Leerstandsquote
Die regionalen Unterschiede sind deutlich. Im Mezzogiorno liegt die Leerstandsquote laut Il Sole 24 Ore bei 19,4 Prozent, im Nordosten dagegen nur bei 13,8 Prozent. Kleine Gemeinden und ländliche Gebiete verzeichnen eine Quote von 18,7 Prozent und liegen damit über dem nationalen Durchschnitt. In Großstädten und mittleren Zentren beträgt der Wert rund 16 Prozent. Zwischen 2012 und 2025 sank die Zahl der Einzelhandelsbetriebe mit festem Standort nach Angaben des Centro Studi Confcommercio Milano um rund 21 Prozent, von 551.300 auf 433.600. Zugleich wuchs der Online-Handel von 31,4 Milliarden Euro (2019) auf über 62 Milliarden Euro (2025). Seit 2012 sind laut Confcommercio-Analyse insgesamt rund 156.000 Geschäfte verschwunden.
Nicht-Lebensmittelhandel am stärksten betroffen
Die Studie schlüsselt die Leerstände nach Branchen auf. Der Nicht-Lebensmittelhandel stellt mit rund 172.000 Flächen den größten Posten, auf Bars und Gastronomie entfallen weitere 90.000 Lokale. Bei Reisebüros liegt die Schließungsquote laut Scenari Economici bei über 34 Prozent; die Branche spürt den Digitalisierungsdruck besonders stark. Friseure und Kosmetikstudios schließen bei einer Quote von rund 23 Prozent, Bekleidung, Schuhe und Haushaltswaren bei über 20 Prozent. Gegen den Trend wuchsen zwischen 2012 und 2025 nach Angaben von Confcommercio ausschließlich Hotels, Pensionen und Restaurants um rund 19.000 Betriebe, konnten den Rückgang in den anderen Branchen aber nicht ausgleichen.
7,2 Jahre durchschnittlicher Leerstand pro Lokal
Zwischen 2012 und 2023 stand ein durchschnittliches Geschäftslokal nach Il Sole 24 Ore 7,2 Jahre leer. Bei einer vom Immobilienmarkt-Observatorium angesetzten Jahresmiete von rund 16.000 Euro summiert sich der Ausfall pro Lokal auf etwa 116.000 Euro. Steigende Mieten in den Zentren, der Boom der Kurzzeitvermietungen und der wachsende Online-Handel treffen den stationären Einzelhandel gleichzeitig.
Confcommercio fordert Mittel für Kommunen, Forum in Bari
Confcommercio-Präsident Carlo Sangalli bezeichnet die Zahlen laut Scenari Economici als dramatische Momentaufnahme und fordert, dass die Regierung den Gemeinden ausreichende Mittel bereitstellt, um lokale Aktionspläne für die Nahversorgung zu finanzieren. Paolo Testa, zuständig für Stadtentwicklung beim Verband, versteht den Nachbarschaftshandel als zivile Infrastruktur, nicht nur als privaten Betrieb. Zu den Vorschlägen gehören Steuervorteile für Eigentümer, die Flächen zu gedeckelten Mieten anbieten, sowie eine stark reduzierte Steuer- und Abgabenlast für Neugründungen in betroffenen Innenstädten. Die konkreten Maßnahmen stehen im Mittelpunkt des Forums inCittà 2026 am 29. und 30. Oktober in Bari.




