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Residenza und Codice Fiscale: Erster Amtsgang in Pozzuoli

Bastian Glumm
Außenstelle der Comune di Pozzuoli in Monterusciello: Das Ufficio Residenze, in dem die Anmeldung der Residenza läuft.

Außenstelle der Comune di Pozzuoli in Monterusciello: Das Ufficio Residenze, in dem die Anmeldung der Residenza läuft.

(Foto: © Bastian Glumm)
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Wer nach Italien zieht, lernt das Land nicht nur beim Einkaufen und auf der Straße kennen. Irgendwann klopft die italienische Verwaltung an. Für uns war der Moment nach dem Umzug nach Pozzuoli gekommen. Residenza und Codice Fiscale: zwei Begriffe, die man vor einem Umzug nach Italien ständig liest. Was dahintersteckt, versteht man aber erst, wenn man selbst mit den Unterlagen vor dem Schalter steht.

Erster Versuch in Monterusciello

Der erste Weg führte uns in eine Außenstelle der Comune di Pozzuoli im Stadtteil Monterusciello. Einen Termin brauchten wir nicht. Einfach hingehen reichte. Das klang unkompliziert, und zunächst war es das auch. Kurze Wartezeit, ruhige Atmosphäre, alles deutlich entspannter als erwartet.

Ganz so leicht wurde es dann aber doch nicht. Ich war davon ausgegangen, dass für mich als EU-Bürger der Personalausweis reichen würde. Vor Ort stellte sich schnell heraus: Ohne Reisepass geht nichts. Dachte ich zumindest. Dazu kam, dass meine Schwiegermutter, der die Wohnung in Pozzuoli gehört, eine Eigentumsbescheinigung mitbringen sollte. Also wieder zurück nach Hause, Reisepass holen, Unterlagen zusammensuchen, erneut zum Amt fahren. Und dann einer dieser Momente, die man wohl erst nach dem Umzug versteht: Ich hatte den Reisepass dabei, legte ihn vor, und am Ende wollte ihn niemand mehr sehen. Typisch (Süd-)Italien, könnte man sagen. Nicht böse gemeint, eher mit einem leichten Kopfschütteln.

Scheitern an der Partita IVA

Entscheidend war am Ende aber nicht der Reisepass. Der zuständige Sachbearbeiter kam mit meinem Fall nicht wirklich weiter. Fast zwei Stunden saßen wir vor seinem Schreibtisch. Fragen, Nachfragen, Suchen am Rechner. Erst als eine Kollegin aus dem Nebenraum dazukam, löste sich der Knoten in wenigen Minuten: Mir fehlte die Partita IVA. Da ich in Italien selbstständig arbeiten möchte, muss ich meine Tätigkeit hier offiziell anmelden. Die Partita IVA ist dafür die Grundlage. Ohne sie keine Rechnungen, ohne diesen Nachweis zunächst auch keine Residenza. Darum kümmert sich derzeit eine deutschsprachige Steuerberaterin in Bozen. Sobald die Partita IVA da ist, geht es zurück ins Amtsgebäude der Comune in Monterusciello.

Für Svitlana ist die Lage noch einmal eine Nummer komplizierter. Sie ist Ukrainerin und mit mir als EU-Bürger verheiratet. Grundsätzlich eine starke Rechtsposition. In der Praxis hängt aber vieles an meinen Papieren und meinem Status. Erst wenn das bei mir sauber durch ist, können wir ihre nächsten Schritte angehen. Zum Glück war meine Schwiegermutter dabei. Sie spricht fließend Italienisch, und das war in dieser Situation Gold wert. Ich verstehe inzwischen vieles, was gesagt wird. Selbst den neapolitanischen Slang, der echt anspruchsvoll ist. Aber selbst sprechen, in einem Behördenbüro mit kompliziertem Fall, ist noch einmal eine andere Nummer. Kurz gesagt: Die Residenza war an diesem Tag ein Satz mit X. Nämlich nix.

Codice Fiscale bei der Agenzia delle Entrate

Ein paar Tage später ging es dann zur Agenzia delle Entrate, zum italienischen Finanzamt. Diesmal ging es um den Codice Fiscale. Ohne diese Steuernummer läuft in Italien praktisch nichts. Verträge, Bank, Arzt, Selbstständigkeit: Vieles hängt früher oder später daran. Vor dem Besuch hatte ich im Internet einiges darüber gelesen. Und wie so oft, wenn man sich durch Foren, Erfahrungsberichte und Dienstleisterseiten klickt, bekommt man schnell Respekt vor der Sache. Fast ein bisschen Angst. Es wimmelt nur so von Beiträgen über entsprechende Anträge aus Deutschland, die man machen kann, Anwälten, Agenturen, kostenpflichtigen Hilfestellungen.

Meine persönliche Erfahrung war an diesem Tag eine andere. Für mich als EU-Bürger war die Beantragung direkt vor Ort erstaunlich einfach. Für Svitlana ging es wieder nicht. Ihr Aufenthaltsstatus muss zuerst geklärt werden. Am Empfang hieß es zunächst, man müsse einen Termin machen. Der nächste freie Termin sei im November. Wir waren am 8. Oktober da. Also wieder warten, wieder zurückkommen, wieder eine neue Runde? Dann schaute der junge Mann am Empfang noch einmal in den Computer. Zwei, drei Minuten später sagte er sinngemäß, es sei doch ein Termin frei. Und zwar jetzt sofort, auf der Stelle. Auch das: typisch Italien.

Mein frisch ausgestellter Codice Fiscale: Direkt vor Ort bei der Agenzia delle Entrate in Pozzuoli beantragt und ausgehändigt.

Mein frisch ausgestellter Codice Fiscale: Direkt vor Ort bei der Agenzia delle Entrate in Pozzuoli beantragt und ausgehändigt.

(Foto: © Bastian Glumm)

Kopien, Formular, Unterschrift

Zuerst Kopien machen lassen. Vom Reisepass, vom Personalausweis und sogar von meiner alten deutschen Krankenkassenkarte, obwohl ich dort inzwischen abgemeldet bin. Egal, der Beamte wollte sie trotzdem sehen. Also raus aus dem Amt, rüber in einen Copy-Shop, Kopieren, zurück ins Amt, Formular ausfüllen. Darin musste ich unter anderem angeben, warum ich den Codice Fiscale überhaupt brauche. Ich schrieb hinein, dass ich in Italien selbstständig arbeiten möchte, dass es um den Betrieb von Vivere in Italien geht und dass wir perspektivisch auch eine Immobilie erwerben möchten. In Kalabrien irgendwann.

Dann unterschreiben. Abgeben. Warten. Wobei warten übertrieben ist. Der Sachbearbeiter sah sich die Unterlagen an, tippte die Daten in seinen Rechner, druckte etwas aus und reichte mir das Papier über den Tisch. Die Plastikkarte mit der Tessera Sanitaria bekomme ich wohl demnächst auch schon. Was mich dabei besonders überrascht hat: keine Gebühr, keine Bearbeitungskosten, keine versteckten Ausgaben. Kostenfrei, zumindest in meinem Fall. Aus meiner Sicht würde ich deshalb gut überlegen, ob man dafür wirklich schon aus Deutschland heraus teure Anwälte oder Dienstleister beauftragt. Es gibt sicher Fälle, in denen professionelle Hilfe sinnvoll ist. Aber wer ohnehin in Italien ist und selbst zur Agenzia delle Entrate gehen kann, kommt oft deutlich einfacher ans Ziel, als die Foren suggerieren.

Was wir aus den beiden Amtstagen mitnehmen

Bei mir war der Codice-Fiscale-Termin am Ende kein Behörden-Horror, sondern ein ziemlich unspektakulärer Vorgang. Der nächste Schritt ist jetzt die Partita IVA. Dafür stehe ich mit meiner neuen Steuerberaterin aber im Austausch. Wenn die Partita IVA vorliegt, geht es zurück ins Einwohnermeldeamt und wir nehmen die Residenza erneut in Angriff. Erst wenn meine Anmeldung sauber durch ist, kümmern wir uns um die nächsten Schritte für Svitlana.

Eine erste kleine Erkenntnis nach diesen beiden Tagen: Italienische Bürokratie ist nicht grundsätzlich langsam. Sie ist nur schwer vorhersehbar. Mal fehlt ein Dokument, das später niemand sehen will. Mal gibt es angeblich erst im nächsten Monat einen Termin und drei Minuten später sitzt man beim Sachbearbeiter. Man braucht Geduld, Kopien, jemanden mit guten Italienischkenntnissen und die Bereitschaft, Dinge nicht immer logisch zu finden. Am Ende bewegt sich etwas. Die Residenza ist bei uns noch offen. Der Codice Fiscale liegt aber jetzt auf dem Tisch, zumindest für mich. Damit ist der erste echte Verwaltungsschritt in Italien geschafft.

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