Das für diese Woche angekündigte Monstertief hat Italien erreicht. Am Donnerstag, dem 8. Oktober 2026, gilt in weiten Teilen des Landes Protezione-Civile-Alarm. Die Toskana steht bis zum Nachmittag unter einer orangefarbenen Warnung. Elf weitere Regionen sind in Gelb. In Pomezia südlich von Rom hat das Wasser bereits mehrere Straßen überflutet. Der Scirocco heizt Sizilien parallel auf Sommertemperaturen auf. Die große Kaltfront kommt zum Wochenende.
Toskana im Orange-Alarm bis 17 Uhr
Das Dipartimento della Protezione Civile hat für den heutigen Donnerstag eine allerta arancione über die gesamte Toskana verhängt. Sie gilt bis 17 Uhr und wird danach auf Gelb heruntergestuft. Erwartet werden Starkregen, Hagel, Hochwasser- und Erdrutschgefahr sowie Sturmböen über 80 km/h. Elf weitere Regionen sind in Gelb: Friaul-Julisch Venetien, Lombardei, Ligurien, Marken, Umbrien, Latium, Abruzzen, Molise, Kampanien, Basilikata und Apulien.
In zahlreichen toskanischen Gemeinden haben die Bürgermeister per Ordnung die Schulen geschlossen. Betroffen sind unter anderem Grosseto, Capalbio, Orbetello, Monte Argentario, Castiglione della Pescaia, Carrara, Pontremoli, Fivizzano, Piombino, Portoferraio, Livorno, Pistoia und Pescia. Die Entscheidung liegt bei jedem Bürgermeister einzeln. Die Liste wird fortlaufend ergänzt.
Pomezia unter Wasser, 100 Liter Regen möglich
Südlich von Rom hat das Wasser bereits mehrere Straßen überflutet. Auf der Via Pontina Vecchia nahe dem Hotel Selene lief eine Unterführung voll. Ein Lastwagen steckte bis zur Motorhaube im Schlamm. Auf der Via Pratica di Mare, der Zufahrt zur Statale Pontina, kam es zu einem Verkehrsunfall. Allagamenti betreffen mehrere Stadtteile von Pomezia. Medienberichten zufolge teilen Anwohner mit, dass die Pontina Vecchia seit Jahrzehnten bei vergleichbaren Lagen chronisch überflutet, ohne dass die üblichen Unterhaltsarbeiten greifen.
Das Prognosemodell des European Centre for Medium-Range Weather Forecasts, ECMWF, erwartet in Teilen Italiens über 100 Liter Regen pro Quadratmeter in wenigen Stunden. Am stärksten gefährdet sind laut Modell die tyrrhenische Küste zwischen Ligurien, Toskana, Latium und Kampanien, mit möglichen Ausläufern bis in Umbrien. Im Nordwesten setzten die Niederschläge bereits in den frühen Morgenstunden ein.
Scirocco im Süden, Schnee auf den Alpen
Während im Norden und in der Mitte Italiens die Höchstwerte nicht über 15 bis 24 Grad hinauskommen, hat der Scirocco den Süden kurzfristig in den Sommer zurückgeschickt. In Palermo wurden am Donnerstag 30 Grad gemessen, in Catania 29. Der warme Südwind aus der Sahara läuft als klassischer Vorläufer vor der heranziehenden Kaltfront. Auf Sizilien bleiben lokal bis zu 32 Grad möglich, bevor sich auch dort das Wetter dreht.
Im Nordwesten liegen die Werte am Nachmittag unter 15 Grad. In weiten Teilen der Pianura Padana und in Ligurien di Ponente herrscht herbstliche Nässe. Die Schneefallgrenze auf den Alpen lag am Vormittag noch bei 2.500 Metern und sinkt im Tagesverlauf auf etwa 2.000 Meter. Die Wetterlage ist damit praktisch zweigeteilt: Hochsommer im Süden, Vorwinter im Nordwesten.
Temperatursturz zum Wochenende, Medicane bleibt aus
Die eigentliche Belastungsprobe folgt zum Wochenende. Zwischen Freitag, dem 9., und Samstag, dem 10. Oktober, erreicht die Kaltfront den Süden. Dann sollen die Temperaturen innerhalb weniger Stunden um mehr als zehn bis zwölf Grad fallen. Die Scirocco-Hitze auf Sizilien bricht abrupt zusammen. In Mittel- und Süditalien kommen weitere Niederschläge dazu, bevor sich die Lage im Verlauf des Samstags beruhigt.
Die zu Wochenbeginn diskutierte Möglichkeit eines Medicane, eines Mittelmeer-Wirbelsturms mit tropischen Zügen, hat sich nicht bestätigt. Keiner der italienischen Wetterdienste meldet bisher einen Tropical-Like-Cyclone über dem zentralen Mittelmeer. Die Lage bleibt damit im Rahmen eines gewöhnlichen Herbstverlaufs, auch wenn die Niederschlagsmengen punktuell extrem sind.
Ausblick
Nach dem Wochenende dürfte sich die Lage zunächst beruhigen. Die Protezione Civile aktualisiert ihre Warnmeldungen über das nationale Allertamento-System. Wer in dieser Woche in Rom, der Toskana oder auf Sardinien unterwegs ist, sollte Flussläufe, überflutete Unterführungen und Hanglagen meiden. Besonders im Latium südlich von Rom, in Pomezia und auf der Pontina Vecchia, bleibt die Lage angespannt.




