Italien steht vor einem Lebensmittel-Alarm. Nach dem West-Nil-Sommer sorgt nun ein Salmonellen-Ausbruch für Schlagzeilen. Vier Regionen melden Fälle, die mit frischen Kirschtomaten in Verbindung gebracht werden. In Apulien hat die Gesundheitsbehörde die Reißleine gezogen und rohe Tomaten vorsorglich aus den Küchen von Schulen, Krankenhäusern und Pflegeheimen verbannt. Die Spur der verantwortlichen Erreger führt die Ermittler nach Sizilien.
Am 30. September 2026 traf sich die nationale Taskforce für Lebensmittelsicherheit, um die Lage zu bewerten. Ergebnis: In Apulien, der Lombardei, dem Latium und dem Friaul-Julisch Venetien wurden im September Erkrankungen registriert, die auf dasselbe Erreger-Profil zurückgehen.
Identifiziert: Salmonella Strathcona ST2559
Die Labore haben als Verursacher den Stamm Salmonella Strathcona ST2559 identifiziert. Dieser Stamm zirkuliert nach Angaben von my-personaltrainer.it seit 2023 in Europa. Zwischen Januar 2023 und September 2025 wurden europaweit 437 Fälle bestätigt, davon 123 in Italien. Allein 59 davon entfielen auf das Jahr 2025 bis Mitte September, der Großteil in den Sommermonaten.
Die Ermittler verfolgen eine konkrete Spur. Eine kontaminierte Tomatencharge aus der Provinz Caltanissetta auf Sizilien wurde als mögliches Infektionsvehikel identifiziert. Bereits im Januar 2025 war der Strathcona-Stamm im Bewässerungswasser eines sizilianischen Produzenten nachgewiesen worden.
Vorsorge-Verfügung in Foggia
Nach der Taskforce-Sitzung reagierte die Regione Puglia mit einer dringenden Anordnung des Dipartimento Salute. In Foggia hat der Dienst für Lebensmittelhygiene und Ernährung der ASL die sofortige Aussetzung der Verwendung roher Tomaten in der Gemeinschaftsverpflegung verfügt. Betroffen sind Kindergärten, Grundschulen, Krankenhauseinrichtungen sowie öffentliche und private Pflegeheime. An die Stelle roher Tomaten muss gegartes Gemüse treten.
Die Verfügung wurde nach dem Vorsorgeprinzip erlassen. Sie bleibt in Kraft, bis die regionale Gesundheitsbehörde sie aufhebt, sobald die Untersuchungen abgeschlossen sind. Auch jenseits der Alpen schlagen die Erkrankungen Wellen. In Deutschland wurden in der Saison 2025-2026 insgesamt 116 Strathcona-Fälle registriert. Seit Mitte September 2026 kamen weitere 39 hinzu. In mehreren Fallinterviews gaben Betroffene Italien-Aufenthalte im Expositionszeitraum an. Eine epidemiologische Verbindung ist damit wahrscheinlich, ohne dass sich daraus ein eindeutiger Infektionsort ableiten lässt.
Was Verbraucher wissen sollten
Nach Angaben des Istituto Superiore di Sanità äußert sich eine Salmonellose typischerweise 6 bis 72 Stunden nach Verzehr kontaminierter Lebensmittel. Zu den Symptomen zählen Fieber, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, meist über vier bis sieben Tage. Zu den Risikogruppen gehören Kleinkinder, ältere Menschen, schwangere Frauen und immungeschwächte Personen. Bei anhaltenden Beschwerden sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Das Istituto Superiore di Sanità rät, Obst und Gemüse vor der Verwendung gründlich zu waschen und rohe von gegarten Lebensmitteln getrennt zu halten. Das Erhitzen tötet Salmonellen zuverlässig ab. Wer regelmäßig in italienischen Supermärkten einkauft, sollte die Avvisi e richiami des Gesundheitsministeriums im Auge behalten. Das Magazin Panorama berichtet aktuell über konkrete Rückrufe einzelner Chargen.
Keine Entwarnung in Sicht
Ob der Ausbruch mit der Verfügung in Foggia eingedämmt werden kann, ist offen. Die bisherige Dynamik des Strathcona-Stamms zeigt eine deutliche Herbst-Saisonalität. Mit vier bisher betroffenen Regionen und einer noch nicht abgeklungenen Saison bleiben weitere regionale Verfügungen eine realistische Möglichkeit.
Für Italien-Urlauber und Verbraucher gilt bis auf Weiteres: Kirschtomaten gründlich waschen, auf unverpackte Ware aus unklaren Quellen verzichten und bei Gemeinschaftsverpflegung die aktuellen Vorgaben beachten. Die italienische Lebensmittelüberwachung aktualisiert ihre Hinweise über die Portale des Gesundheitsministeriums und der zuständigen ASL.




