Die Lkw-Blockaden gegen die hohen Dieselpreise haben sich am Wochenende und bis zum Montagmorgen auf weitere Teile Süditaliens ausgedehnt. Erste Supermärkte melden Engpässe bei Frischwaren, in Sizilien stehen Buslinien vor der Kürzung. Verkehrsminister Matteo Salvini hat das ursprünglich für den 27. Oktober geplante Treffen mit den Verbänden vorgezogen. Es findet am Dienstag, 20. Oktober, um 15 Uhr in der Präfektur Mailand statt. Das Ende des Streiks ist für Mitternacht desselben Tages angesetzt.
Blockaden in vier Regionen
In Kalabrien stehen weiter rund fünfzehn Protestposten. Die A2-Ausfahrt in Falerna (Provinz Catanzaro) wurde am Sonntagnachmittag zeitweise blockiert. Weitere Standorte liegen an der SS 534 zwischen Firmo und Sibari, an der SS 106 bei Cassano, im Pollino-Gebiet, in der Sibaritide und im Alto Jonio Cosentino. Ein zentraler Protestposten befindet sich in Contrada Bianchino bei Castrovillari. In Kampanien reichen die Staus auf der A1 am Montagmorgen von Caserta bis Neapel, in der Nacht war ein Abschnitt der A30 gesperrt.
In Apulien fuhren am Montagmorgen rund 100 Lkw-Fahrer von Altamura nach Bari, um vor dem Sitz der Region ein Treffen mit Regionspräsident Antonio Decaro zu fordern. Auf der Provinzstraße SP 231 bei Bari blockieren Landwirte und Transportunternehmer gemeinsam mit Studenten die Strecke. In Sizilien wurde die Blockade seit Montag teilweise gelockert, Obst- und Gemüsesendungen werden wieder durchgelassen. In Palermo bildeten sich dennoch lange Schlangen vor Tankstellen mit noch verfügbarem Treibstoff.
Diesel bei 2,30 Euro, Lagerbestände im Süden sinken
Der durchschnittliche Dieselpreis nähert sich laut Ministerium für Unternehmen und Made in Italy 2,30 Euro pro Liter. Der Verbraucherverband Codacons spricht von einem Anstieg von fast 40 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2025. Viele Tankstellen in Apulien sind leer, Nachschub wird zwischen Montag und Dienstag nach aktueller Lage nicht erwartet. Dahinter steht auch das Auslaufen der Preisbremse am 5. Oktober, das den Preis sofort um rund drei Euro pro Tankfüllung angehoben hatte.
In den Supermärkten reichen die Lagerbestände laut Branche nur bis Montagabend, Hamsterkäufe werden bislang nicht gemeldet. Gefährdet sind vor allem Obst, Gemüse, Milch und Fleisch. Medikamente sind von der Blockade ausgenommen und werden weiter geliefert. In Sizilien warnt der Branchenverband Anav Sicilia, dass Buslinien ab Dienstag gekürzt werden könnten, falls die Depots nicht wieder beliefert werden. Der verbliebene Diesel soll dann auf Hauptstrecken in den Stoßzeiten konzentriert werden.
Salvini-Treffen vorverlegt auf Dienstag
Das vom Verkehrsministerium für den 27. Oktober einberufene Treffen galt der Regierung zunächst als ausreichend. Nach Ausweitung der Proteste über das Wochenende und dem Druck des Dachverbands Unatras um Präsident Paolo Uggè hat Minister Salvini die Zusammenkunft nun auf Dienstag, 20. Oktober, 15 Uhr in der Präfektur Mailand vorverlegt. Mit am Tisch sitzen die autonomen Verbände aus Kalabrien, Sizilien und Apulien sowie Vizeminister Edoardo Rixi. Vom Ergebnis hängt ab, ob der Streik weitergeht.
Ein Teil der Protestwelle ist bereits abgeklungen. Die Blockade der Eni-Raffinerie in Tarent durch die Ex-Ilva-Arbeiter wurde am Freitagabend aufgelöst, der fünftägige Streik endete um 23 Uhr. Für die Lkw-Protestposten in Süditalien steht die Lösung noch aus. Der Oktober bleibt ein harter Monat für den Verkehrssektor. Am 30. Oktober steht zudem der nationale Generalstreik von Usi Cit auf dem Kalender, der Verkehr ist dort ausdrücklich ausgenommen.




